CAADX Tuning – 9 Speed is all you need!

Knapp 800 km hab ich jetzt runter auf dem CAADX Sora – Zeit für ein Update und ein paar Gedanken …

800 km hören sich jetzt nicht so viel an, ist es auch nicht, aber, zum einen ist es ja nicht mein einziges Rad und zum anderen ist die „Stock“-Übersetzung von 36/46 und 11-28 nicht gerade bestens für das bergige Terrain hier geeignet – Zeit für ein bischen CAADX Tuning!

Reasons Why …

Doch zunächst nochmal ein paar Gründe warum ich mir das nur in UK erhältliche 9-fach CAADX Sora gekauft habe (Tipp: das 2018er CAADX 105 ist auch silber … 😉 ) und nicht das vermeintlich „bessere“ in 10-fach Tiagra.

1. Preis

Das 9-fach CAADX Sora ist günstiger als das nächst-höhere Modell mit 10-fach Tiagra (wie gesagt, es ist für den deutschen Markt nur über den Umweg der Bestellung in UK erhältlich.

2. Schaltung und Naben

Beide Räder sind bis auf die Schaltung, Tretlager/Kurbel und Naben weitestgehend identisch ausgestattet. Das CAADX Sora hat günstigere und wohl geringfügig schwerere OEM-Naben, in Richtung oben sind’s dann Formula oder andere „Marken“-Naben, die ein paar Gramm leichter sind und/oder Industriekugellager haben (die nicht besser, nur anders sind als Kugeln und Koni).

Aber, das interessiert mich nur perihär, denn zum einen fallen schwerere Naben dynamisch (rotierende Masse …) so gut wie nicht ins Gewicht, zum anderen habe ich bisher ganz gute Erfahrungen mit OEM Naben gemacht.

Also: warum mehr Geld für „fancy“ Naben ausgeben, die vielleicht noch nicht mal besser sind sondern nur ein paar Gramm leichter?

Shimano 7,8,9-fach Schaltwerke sind kompatibel, 10-fach ist nicht mehr abwärtskompatibel (jedenfalls nicht so ohne weiteres, veränderter Seilweg, siehe auch hier).

Abgesehen davon sind SRAM Powerlink-Kettenschlösser (und ggf. auch andere) ab 10-fach nur noch mit speziellem Werkzeug wieder zu öffnen, was es unterwegs schwierig macht. Bis 9-fach sind sie relativ einfach von Hand zu öffnen (manchmal etwas Fummelei aber es geht), und sie sind verhältnismäßig günstig im Vergleich zu 10- und 11-fach Kettenschlössern.

UPDATE: es gibt mittlerweile Ausnahmen, beipielsweise von BBB oder KMC.

3. Vierkant

Das CAADX Sora hat Vierkant-Innenlager bzw. -Kurbeln. Für manche mag das Oldschool-Technologie sein, aber es ist günstig, simpel, bewährt und oft haltbarer als außenliegende Lagerschalen.

4. 9-Speed is all you need!

Ich kann mich noch gut erinnern als 9-fach aufkam: wie jedes Mal wenn ein Ritzel hinzukommt gibt’s die Unkenrufe, dass damit die Lebensdauer in den Keller geht weil alles schmäler wird – werden muss!

Das ist aber nur teilweise der Fall. Lebensdauer ist von vielen Faktoren abhängig, wie Material, Auswahl der Komponenten, Fahrstil und Pflege, und dann gibt es ja noch den erhöhten Spaßfaktor durch bessere (Schalt-) Performance, der auch nicht zu unterschätzen ist.

Für 9-fach spricht vor allem: Erhältlichkeit von hochwertigen, preisgünstigen Teilen. 36 Zähne hat das größte Ritzel einer serienmäßigen SRAM/Shimano 9-fach Kassette, und seit es sie nicht nur in 12-36 sondern auch in 11-36 gibt steht sie Bandbreitenmäßig einer 10-fach 11-36 nicht hinterher, wobei der eine Zahn 1-2 km/h Endgeschwindigkeit ausmacht.

Für Rennräder 9-fach machen größere Kassetten als ?-36 kaum Sinn da dann die Abstände zu groß werden. Beim MTB ist es nicht so schlimm, ja sogar wünschenswert aber beim Rennrad möchte man die Gänge vor allm in den höheren Geschwindigkeitsbereichen doch etwas näher bei einander haben. Und ja, für 10-fach gibt es größere Kassetten, bis 11-44 wenn ich mich nicht täusche, aber: nicht von Shimano, nicht besonders leicht und auch nicht für 15-20 Euro.

Darum: wenn mehr als 9-fach, dann würde ich persönlich einen Bogen um 10-fach machen und gleich auf 11-fach gehen, denn Shimano 11-fach bietet eine einheitliche Gruppe ohne die Nachteile von 10-fach, und das mittlerweile zu akzeptablen Preisen.

5. Hinterachsbreite

Die Hinterachsbreite von Cyclocrossern ist die gleiche wie der alte Mountainbike-Standard: 135mm im Gegensatz zu Rennrädern, da ist sie nur 130mm. Für mich bedeutet das: 2 Räder mit gleichem Standard im Keller zu haben macht es deutlich einfacher mit Werkzeug und Ersatzteilen, denn, sorry, für Werkstattkosten, ständig neue Standards und Werkzeuge hab ich kein Geld.

6. Cyclocross over Straßenrennrad

Cyclocrossräder sind universellere und stabilere Räder als Straßenrennräder. Ambitionierte (Hobby-) Rennradler mögen das anders sehen, aber für jemanden der groß und für einen Radler relativ schwer ist (aktuell ~ 95 Kg) macht es meiner Meinung nach mehr Sinn stabile Laufräder und Scheibenbremsen zu fahren als filigrane Leichtbaufelgen mit reduzierter Speichenzahl.

Außerdem fahre ich bevorzugt auf unbefestigten Straßen und Wegen – mit schmaler Bereifung ist das kaum möglich, und bei den meisten Rennrädern ist bei 28 mm Schluss, andererseits kann ich auf das Cyclocrossrad ohne Probleme schmale Straßenreifen drauf ziehen.

Ansonsten ist die durch Rahmen und Gabel vorgegebene Geometrie im Wesentlichen identisch bzw. SEHR ÄHNLICH, sprich, Sitzwinkel, Steuerwinkel und Tretlagerabsenkung. Ob der Hinterbau kürzer oder länger ist, ist bei einem Rennrad das auf Maximalgeschwindigkeit getrimmt ist weniger relevant als bei MTBs die in schwierigem Gelände wendig sein müssen.

Die Oberrohrlänge ist in einem gewissen Rahmen ebenfalls irrelevant, relevant wird sie als „Reach“, zusammen mit der Vorbaulänge – 60 + 10 cm oder 61 + 9 cm macht nicht wirklich den großen Unterschied.

Das durchschnittlich vielleicht etwas längere Steuerrohr von Cyclocrossern ist meiner Meinung ebenfalls unerheblich – beim CAADX waren, wenn ich mich recht entsinne, 4 Spacer unterlegt, das sind ca. 2 cm die man den Lenker absenken kann. Ich denke vielmehr, dass viele Rennradfahrer mehr als keinen Spacer (also mindestens einen) fahren, weil solch ein extrem-niedriger Lenker zwar sportlich aussieht, aber für viele auf langen Strecken doch etwas unbequem ist.

Anders ausgedrückt, die Unterschiede in der Geometrie von Rennrädern und Cyclocrossern bewegen sich mittlerweile in homöopathischen Größenordnungen und sind in einem Rahmen einstellbar, so dass jegliche Argumentation ob der geometrischen Unterschiede unlogisch bzw. absurd wird – wer die dann tatsächlich immer noch „spürt“ käme wohl um einen Maßrahmen nicht drum rum …

7. 9-fach ist leichter

Naja, relativ gesehen. 9-fach hat logischerweise ein Ritzel weniger als 10-fach, 2 weniger als 11-fach usw. Unterm Strich heißt das, mit 9-fach kann ich ohne „Gewichtsstrafe“ schwerere, günstige(re) Kassetten fahren wenn ich bereit bin die geringfügig gröbere Abstufung in Kauf zu nehmen, die in der Regel kaum ins Gewicht fällt.

Aber das ist ja generell der Trade-Off: weniger Clutter und größere Simplizität vs feiner Abstufung. Die feinste Abstufung bekommt man natürlich mit 3x, muss dann aber auch wild hin- und her schalten.

1x-Systeme ist daher für mich der ideale Kompromiss zwischen der Simplizität von Singlespeed und den Vorteilen einer Kettenschaltung.

CAADX Tuning

Wie gesagt, es ist ziemlich bergig hier im Stuttgarter Umland, wie überhaupt in vielen Teilen Deutschlands.

Fährt man aus Stuttgart raus und will’s flach(er) dann gibt es eigentlich nur die Möglichkeit das Neckartal hoch oder runter zu fahren, was man mal machen kann, aber auf Dauer ist das eher langweilig. OK, das Rems- und Filstal gibt’s auch noch, aber: früher oder später ist eben vorbei mit flach.

Mit der „Stock“-Übersetzung von 36/46 und 11-28 Kassette machen „Berge“ aber nicht wirklich Spaß, außerdem fand ich sie auch auf der Ebene unpraktisch,da ich bei kleineren Anstiegen schon gezwungen war auf’s kleine Kettenblatt zu schalten wo ich die Sache mit einer etwas größeren Kassette wahrscheinlich auf dem großen Blatt „durchgedrückt“ hätte.

Also habe ich erst mal eine 11-30er Kassette ausprobiert, hauptsächlich da ich nicht wusste welche Kassettengröße ein Sora Schaltwerk noch schalten kann. 11-32 war mir zu nah an meiner alten 9-fach XT-Kassette, die ich noch wenig gefahren rumliegen hatte.

Leider fand ich 11-30 nicht so prickelnd, darum hab ich dann die 11-34 XT Kassette montiert (mit längerer Kette), die B-Schraube halb rein gedreht und siehe da: funzt prima!

Zusätzlich hab ich noch für nen 10er ein 34er Ultegra Kettenblatt ergattert, was die Minimalübersetzung auf 1:1 drückt.

Ich gehe davon aus, dass eine 12-36er Kassette auch funktioniert, wodurch man sogar eine leichte Untersetzung realisieren könnte, hab es aber noch nicht ausprobiert. Werde ich wohl auch nicht solange bis der jetzige Antrieb runtergenudelt ist. 46-34 mit 11-34 ist nahezu ideal für die Gegend hier und es macht richtig Laune.

Der Nachteil: in manchen – wenigen – Situationen ist der Sprung zwischen zwei Gängen zu groß, also der eine ist zu groß und der andere zu klein. Das ist aber eher selten und kommt hauptsächlich auf Strecken zu tragen die ich gut kenne, also wo ich vorausschauend fahre/fahren kann.

Übrigens liefert Cannondale die 2018er Modelle mit 11-32 statt 11-28 aus – macht ja für ein Do-It-All Rad auch mehr Sinn wenn man mehr „Luft“ nach unten hat.

Die Zukunft

Ich bin wie gesagt ein großer Fan von 1x-Antrieben geworden. Am Cube MTB mit 30er Kettenblatt und 12-36 Kassette fehlt mir nichts! Und haltbar ist es auch noch einigermaßen.

Der Antrieb am MTB hat jetzt ca. 3000+km runter, die Hälfte davon bergauf und unbefestigt. Geringe Verschleißspuren sind sichtbar, aber ich denke mit der neuen Kette wird er sicher nochmal 3000km schaffen, mal sehen ob es dann noch Sinn macht, oder ob dann der ganze Antriebsstrang getauscht werden muss. Ein neues 30T Kettenblatt von RaceTi liegt jedenfalls schon bereit….

Für das Sora liebäugele ich daher auch mit einem 1x Antrieb. Es ist einfach soviel angenehmer nur an einer Stelle zu schalten, es spart Gewicht und Wartungsarbeit und die Übersetzung ist nahezu optimal.

Mit dem MTB komme ich auch mit schwerem Rucksack jeden Berg hoch und kann bis 34km/h mit einer Kadenz von 90UpM mittreten – das bedeutet konkret: es geht ohnehin bergab oder es handelt sich um einen der ganz seltenen Fälle bei denen man massiven Rückenwind hat. In 98% aller Fälle wird man die Übersetzung allerdings nicht ausreizen und die Untersetzung ist gut genug für 95% aller Fälle.

Beim CAADX Sora würde ich natürlich auch die 12-36er Kassette nehmen und ein 40er Kettenblatt, damit sind ~37km/h bei 90UpM drin. ein 42er brächte ~39km/h bei 90UpM. Die Übersetzung wäre noch gut genug für moderate Anstiege, aber, da ich auch selten mal hier in der Gegend 37km/h überschreite (beim Treten…) würde ich wohl erst mal dem 40er den Vorzug geben.

Bei einem 40er oder 42er Kettenblatt kommt man eventuell sogar um ein teures Narrow-Wide Kettenblatt rum – die Strecken die man üblicherweise mit dem MTB fährt sind krasser mit deutlich höherem Potential des Schlagens der Kette und damit der Gefahr vom Kettenblatt zu fallen. Anderseits ist das Tempo mit dem Cyclocrosser oft höher, da hätte man auch nicht gerne einen ungeplanten Kontrollverlust …

Man wird sehen. Im Moment bin ich echt froh, dass ich die Tuningmaßnahme endlich durchgezogen habe, das Rad ist jetzt echt viel besser an die hier örtliche Topografie angepasst und macht noch mehr Spaß!

Die Übersetzungen zum Vergleich:

36/46, 11-28, 60+/-5UpM

36/46, 11-28, 85+/-5UpM

34/46, 11-34, 60+/-UpM

34/46, 11-34, 85+/-5UpM

40, 11-36, 60+/-5UpM

40, 11-36, 85+/-5UpM

40, 11-36, 60+/-5UpM

40, 11-36, 85+/-5UpM

Materialkosten:

rund 40 Euro

CAADX Tuning – unterm Strich …

… bin ich echt super zufrieden mit dem Rad und echt froh die 200-irgendwas Euro mehr investiert und NICHT das Kona Rove AL (Claris, 8-fach) gekauft zu haben. Das Rad macht echt Laune und ich kann’s nur empfehlen.

Wer meine 9-fach Philosophie nicht teilt und lieber mehr Gänge fährt – kein Problem :), allerdings würde ich dann zu 11-fach raten, da es hier für den Shimano-Fahrer einfach bessere Lösungen schon ab Werk gibt.

Sunrace und andere 11-40/42/44 Lösungen sind zwar bestimmt nicht schlechter, aber auch nicht günstiger. Also warum bei einer Bastellösung auf einen Gang verzichten wenn es alles aus einer Hand gibt?

Und sind wir ehrlich: Shimano ist vielleicht nicht so stylo, funktioniert aber tadellos. Und bei deren Preisen (im Vergleich zu SRAM oder noch Exquisterem) muss ich auch nicht lang überlegen.

UPDATE

Kurz nachdem ich diesen Artikel veröffentlicht hatte habe ich dann heraus gefunden, dass es mittlerweile von Sunrace 11-40Z 9-fach Wide-Range Kassetten gibt.

Darauf gestoßen bin ich über die Seite faqload.com, wo es ein paar interessante Ressourcen zu 9-fach/1×9 gibt, beispielsweise:

10 speed / 9 speed gearing comparisons

oder

9 speed clutch rear derailleur

oder

Using a clutch rear derailleur with 9 speed (or even 8 speed!)

Update

Noch einigen Testfahrten habe ich mich entschieden wieder das „alte“ 36er Kettenblatt einzubauen. Zum einen weil die Kette beim Dura Ace 34er gelegentlich beim Schalten in den Zwischenraum zwischen den Kettenblättern fällt, da es oben auf der äußeren Seite schmaler ist, zum anderen, weil 36/11-34 bzw. eine Entfaltung von 36/34 = 1,058 völlig ausreichen sollte wenn ängstliche Rennradfahrer in den Bergen 39/27 fahren und selbst wenn sie 39/30 oder 39/32 führen ist das immer noch länger.

Tja, und wenn man lange Anstiege sportlicher fahren will, dann muss man wohl auch etwas an der Haltemuskulatur, der Fahrtechnik und der Bergstrategie arbeiten und nicht nur im kleinsten Gang mit 4,5 km/h hochkurbeln … 😉

Das Problem mit dem „in den Zwischenraum fallen“ der Kette ließe sich aber auch relativ einfach Lösen – einfach dünnere Distanzstücke/bzw. Unterlegscheiben verwenden (Größe: M8).

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