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Zentrierständer selbst gebaut für unter 15 Euro

Laufradbau ist etwas was man als Radfahrer definitiv beherrschen sollte. Außerdem ist es ein ganz netter Zeitvertreib und allemal besser als vor der Glotze abzuhängen. Irgendwann, ichj glaube es war 2008, ich war damals gerade auf „Heimaturlaub“ (Reiseunterbrechung) wollte meine Laufräder neu aufbauen und brauchte eine schnelle Lösung. Also nix mit bestellen, wieder zurück schicken bei nicht gefallen usw. Den Fahrradrahmen hätte ich nutzen können, das war mir aber zu frickelig. Also nachgedacht, und Zentrierständer selbst gebaut. Und das für (damals) unter 15 Euro.

Ich baue meine Laufräder schon seit über 15 Jahren selbst, weil sich auch hier die alte Bauernweisheit bewahrheitet hat:

Wenn man richtig gemacht haben will, dann muss man’s selber machen.

Auslöser war, dass sich bei meinem Stuttgart-Nordkapp Abenteuer Speichen gelockert hatten, und das obwohl ich dem Laufradbauer gesagt hatte, dass es wichtig sei, dass die Laufräder solide sind. Schließlich beschränkten sich damals meine technischen Fähigkeiten was Fahrräder anging auf Platten reparieren – das war’s. In der Zwischenzeit habe ich dann aber das eine oder andere dazugelernt.

Theoretisch …

braucht man eigentlich keinen Zentrierständer wenn man alle Schaltjahre mal ein Laufrad bauen will oder mal eins reparieren muss. Das geht – mit etwas Improvisationstalent – wie gesagt, auch eingebaut im Fahrradrahmen. Aber spätestens wenn einem die Frickelei am Rad im Rad so langsam auf die Nerven geht wird’s Zeit für eine bessere Lösung.

Unzufrieden mit den billigen käuflich erhältlichen Lösungen und unwillens mehre hundert Euro für was hochwertiges auszugeben habe ich mich mal im Baumarkt umgeschaut, und das ist das Ergebnis – ein Zentrierständer selbst gebaut:

Ta Ta… der Zentrierständer!

Sicher gibt es bessere Lösungen und schönere sowieso, mir war aber wichtig, dass mein selbst gebauter Zentrierständer in erster Linie billig und simpel ist und mit meinen bescheidenen Mitteln (Bohrmaschine, Feile, usw …) gebaut werden konnte.

Material

  • 2x Aluprofil 30 x 30mm, 1m lang
  • Einige passende Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben (bei Hornbach und Bauhaus kann man einzelne kaufen)
  • Einige (alte) Speichen
  • Einige Kabelbinder

Werkzeug

  • Bohrmaschine mit Metallbohrern in passender Größe
  • Körner zum ankörnen der Bohrlöcher ist hilfreich (zur Not tut’s ein Nagel)
  • Ggf. etwas Öl zum bohren
  • Kleine Metallsäge
  • Rundfeile, am besten groß und klein
  • Schmirgelpapier
  • Was zum messen
  • Bleistift zum Anzeichnen

Kurzanleitung

  • Beide Profile in der Mitte durchsägen
  • Zwei Hälften gegeneinander verschrauben, dazu außen jeweils ein Loch bohren
  • In die senkrechten Holme Aufnahmen für die Radachse rein sägen/feilen
  • Diese unten mit jeweils 2 Schrauben befestigen (siehe Bild)
  • Abstand der Holme: 100mm bzw. 135mm für Hinterräder, ein Holm ist fest, der andere wird mit Flügelmuttern entsprechend befestigt um ihn schnell versetzen zu können
  • Ggf. weitere Bohrungen für Boost oder Fatbikenaben anbringen
  • Senkrechten Holme: geringfügig teurer, aber verwindungssteifer durch Verwendung quadratischem Profile
  • Seitliche Taster/Sonden: am einfachsten 2 Kabelbinder über kreuz (auch verschiebbar)
  • Alternativ fixe Position: Löcher bohren und Kabelbinder durchziehen (siehe Bild)
  • Taster für Höhenschlag* ist eigentlich nicht nötig, das lässt sich auch mit den seitlichen Tastern improvisieren
  • Einmitten ohne Einmittungslehre: öfter mal Rad um 180° drehen
Die Achsaufnahme
Sonden/Taster aus Speichen mit Kabelbinder befestigt

* Die meisten Felgen die für Abenteuerradler in Frage kommen sind in einem gewissen Toleranzbereich ohnehin nicht perfekt rund. Das liegt am Herstellungsprozess – gesteckt und nicht geschweißt – das muss man akzeptieren und damit leben. Es würde sich auch negativ auf die Qualität des Laufrads auswirken, wenn man nun mit aller Kraft versuchen würde es „perfekt“ rund zu machen. Abgesehen davon ist die Toleranz im Rundlauf bei Reifen oft auch um ein Vielfaches größer.

Kommerzielle Zentrierständer

Wer sich nicht ganz sicher ist, lieber keine Experimente machen und doch lieber gleich was „Richtiges“ will, der sollte sich unbedingt mal den Tacx T 3175 Exact Zentrierständer anschauen.

Über den Unior Zentrierständer kann ich zwar nichts sagen, der sieht für mein dafür halten aber auch ganz ok aus.

Der Park Tool Zentrierständer TS-2.2 bzw der TS-2.2P ist dann preislich schon gehobene Mittelklasse, ebenso wie der von Super B, der hat sogar standardmäßig schon Meßuhren dabei!

Die absolute Luxusklasse und natürlich „nice to have“ ist der Zentrierständer von DT-Swiss, hier muss man aber schon sehr viele Laufräder bauen um diese Investition zu rechtfertigen …

Laufradbau-Werkzeug

Spokey Speichenspanner, meiner Meinung nach der Beste Speichenschlüssel

Park Tool Zentrierlehre – muss sein. Man kann zwar das Laufrad auch anders einmitten, aber daran sollte man nicht sparen wenn man öfter mal ein Laufrad baut.

Park Tool Speichenspannungsmesser – ich hab bis jetzt noch keinen gebraucht, aber andere schwören drauf …

Update

Ich baue gerade eine Website zum Thema Laufradbau, schau doch mal vorbei

4 Kommentare zu „Zentrierständer selbst gebaut für unter 15 Euro“

  1. Avatar

    Hallo,
    keine schlechte Idee mit dem Zentrierständer. Ich habe es immer im Fahrradrahmen gemacht.

    Wonach ich aber suchte war der Vorgang des Ausspeichens.
    Habe niemals die Speichen durchgetrennt, weil ich sie noch gebraucht habe aber nach dem Ausspeichen war die vorher noch gute Felge total krumm und unbrauchbar.
    Mittlerweise habe ich mir Gedanken dazu gemacht und habe einen Plan aber wollte wissen, wie es von Anderen gemacht wird.

    Alles Gute

    J o a c h i m

    1. Avatar

      Im Fahrradrahmen zentrieren geht natürlich auch wenn man nichts anderes hat, hab‘ ich am Anfang auch gemacht.

      Wenn ich die Speichen eventuell nochmal brauchen könnte geh’ich beim Ausspeichen so vor:

      Mit dem Speichenschlüssel die Nippel 3-4 Schläge lösen, dann mit einem Schraubendeher die Nippel von oben aufdrehen. Schneller geht’s mit einem Akkuschrauber. Außerdem denk‘ ich macht es Sinn die Speichen so zu sortieren wie sie eingebaut waren, als linke/rechts Seite, innen/außen …

  2. Avatar

    Danke für die Bauanleitung!
    Noch präziser sollte es gehen, wenn man in die in Rotationsrichtung zeigenden Schenkel der Aluprofile Blindnietmuttern einsetzt und in die Taster aus Gewindestangen (gibt´s für Materialschoner auch aus Plastik) einschraubt. Die Feineinstellung kann dann ja mit gekonterten oder Nylstopmuttern am Außenende erfolgen, innen sind sie gut, um zu zeigen, wie weit man die Gewindestangen verstellt hat.
    Das Einsetzen der Nietmuttern ist zwar etwas aufwendig, aber ich denke, dass es sich lohnt.

    Viele Grüße, Martin

    1. Avatar

      Hallo Martin,

      Freund mich, dass jemand was damit anfangen kann & danke für die Tipps! Ja, der Zentrierständer ist bestimmt noch verbesserungsfähig, ich hab das seinerzeit nur „quick & dirty“ gemacht – dafür funktioniert er sehr gut. 🙂

      Würde ich ihn nochmal bauen, würde ich, wie gesagt, die „Uprights“ aus Vierkantprofil machen, um der Verwindung entgegenzuwirken. Die Höhenverstellbarkeit der Taster könnte man ggf. professioneller gestalten, andererseits funktioniert es mit überkreuzten Kabelbindern (für mich) gut genug. Einen Höhenschlagtaster vermisse ich nicht.

      Einziges Manko, meiner Meinung nach: einmitten geht natürlich nicht so schön wie bei einem professionellen Ständer, der eine Funktion zur automatischen „Mittigstellung“ hat. Aber auch da ist es nicht 100%, man muss das Laufrad da eben 2,3 mal weniger rausnehmen.

      Gruß,
      Andreas

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