Wasserversorgung auf Tour – Tipps und Tricks

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Eigentlich sollte man meinen in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland wo es zudem noch relativ häufig regnet sollte die Wasserversorgung auf Tour kein Problem sein – leider sind meine Erfahrungen anders.

Zugegeben, verdurstet bin ich bis jetzt nie. Aber vor allem wenn man abseits der Hauptrouten unterwegs ist kann es vor allem an heißen Tagen zu einem Problem werden, insbesondere wenn man etwas planungsfaul ist.

Wenn alle Stricke reißen kann man zwar immer an Häusern oder Gehöften um Wasser fragen, ich denke auch nicht dass es einem verwehrt würde, aber es erfordert doch Überwindung, und es ist irgendwie auch schlechter Stil sich auf andere zu verlassen, daher mache ich das persönlich das in unseren Breitengraden nur im absoluten Notfall, also wenn die Wasserversorgung auf Tour wirklich zum existenziellen Problem wird.

Neulich war ich beispielsweise auf der schwäbischen Alb unterwegs, hatte noch ein paar Kilometer bis Bad Urach, aber es war abartig heiß und 10 km Trails und unbefestigte Wege unterschätzt man gerne mal.

Ich hab dann an einem Segelflugplatz gefragt und mir wurde auch gegeben, allerdings nicht ohne den Hinweis auf eine Gastwirtschaft einen Kilometer weiter …

Da kamen dann auch gleich Erinnerungen hoch an das australische Outback wo uns das füllen der Flaschen vom Regenwassertank mit dem Hinweis auf käufliches Wasser verwehrt wurde, OBWOHL wir vorher dort was gegessen hatten.

Letztlich haben wir uns dann schnell am „Bore-Water“-Wasserhahn bedient als gerade ein Wohnmobil die Sicht blockierte – der allerdings jede Menge davon als Brauchwasser bekam, aber der hat ja auch Sprit gekauft … 🙁

Anyway.

Jedenfalls kann die Wasserversorgung auf Tour auch in Deutschland zum Problem werden und das auch wenn man mit 3 Liter Reserve losfährt – die ist nämlich an heißen Tagen mit vielen Höhenmetern schneller weg als man gucken kann.

Wasserversorgung auf Tour – wo überall gibt’s Wasser?

Zunächst mal das Naheliegendste: Kaufen – in Supermärkten, an Tankstellen, in Bewirtungsbetrieben (etwas konsumieren und dann nett nach einen Refill fragen), an Brunnen, auf Friedhöfen und aus Bächen.

Supermärkte

Erste Adresse wenn man an einen Ort ab einer bestimmten Größe kommt. Dort hat es immer einen oder mehrere Supermärkte oder Discounter. Allerdings werden die meiner Erfahrung nach nicht zuverlässig auf Google Maps oder in Navigations-Apps angezeigt, und wenn dann auch nur bei einem bestimmten Zoom Faktor. Der Grund warum keine angezeigt werden – man muss sie ja erst dort eintragen. Nicht eingetragen, nicht auffindbar, und dann wird es zu einem Glücksspiel.

Tankstellen

findet man schon eher, aber in Zeiten wo jede Familie mindestens ein Auto hat auch nicht im hinterletzten Kaff (so wie Supermärkte) und sie sind relativ teuer. Außerdem haben sie oft alles andere als käufliches Wasser, daher muss man es dann oft mit einer Pause verbinden, ein Eis essen, ne Cola trinken und nett nach Wasser fragen. Für mich daher auch nur eine Notlösung.

Gaststätten, Bäckerei-Cafés und andere „Bewirtungsbetriebe“

Fragen kostet nix, aber auch hier, besser was konsumieren bevor man fragt, oder dann einfach dezent auf’s Klo gehen und auffüllen …

Brunnen

Brunnen sind so eine Sache. es gibt ziemlich viele, aber oft prangt ein Schild dran dass es „Kein Trinkwasser“ sei. Das kann sein oder auch nicht sein, da muss man etwas gesunden Menschenverstand walten lassen.

Die Sache mit dem „Kein Trinkwasser“ hat höchstwahrscheinlich damit zu tun, dass um etwas als Trinkwasser deklarieren zu dürfen, man das Wasser ausgiebig und immer wieder testen lassen muss und das kostet. Die einfache Lösung: man pappt einfach ein „Kein Trinkwasser“-Schild hin und ist das Problem los. Denn: sollte sich doch jemand mal was wegholen dann ist die Gemeinde nicht haftbar – steht ja schließlich dran …

Meine Erfahrung damit: ich hatte bis jetzt nie Probleme, aber man sollte etwas gesunden Menschenverstand walten lassen: ist das Wasser sauber oder veralgt? Wenn es sauber ist, könnte es „behandelt“ sein, beispielsweise um Brunnen und Leitungen sauber zu halten.

Womit und in welcher Konzentration ist aber unklar. Solange es aber OK schmeckt (probieren!) und man es nicht zur Regel macht, sollte nichts passieren.

Zusätzlich zu Brunnen in der Stadt gibt noch Brunnen auf dem Land oder im Wald. Hier gilt Selbiges, allerdings sollte man zusätzlich noch schauen wie der Brunnen gelegen ist.

Ist der Brunnen beispielsweise unterhalb eines Ackers, dann kann das Wasser durchaus durch Düngemittel, ob jetzt natürlich oder nicht, kontaminiert sein. Im Zweifelsfall daher besser nicht trinken, egal wie schön die Ruhebank mit Jesuskreuz daneben ist.

Friedhöfe

Sind ein Geheimtipp für die Wasserversorgung auf Tour, wenn man geschickt an einem vorbei kommt. Selbst auf kleinen Friedhöfen lässt sich in der Regel immer ein Wasserhahn finden, denn die Blumen müssen ja gegossen werden – schließlich sollen unsere verblichenen Vorfahren es ja schön haben, in ihrer letzten Ruhestätte. Und: es wird wohl jeder an solche einem Ort einem Lebenden ein paar Schluck Wasser zugestehen wenn man selbst eimerweise Wasser auf’s Grab kippt.

Bäche

Bäche sind so eine Sache. So weit wie wir die Umweltverschmutzung heutzutage schon vorangetrieben haben, ist das normalste der Welt, nämlich einfach Wasser aus der Natur zu trinken mit Vorsicht zu geniessen.

Will oder muss man also Bachwasser trinken dann sollte man das nur tun an Bächen:

  1. Die optisch einen sauberen Eindruck machen
  2. Die schnell fließen
  3. Wo idealerweise ausgeschlossen werden kann, dass bachauf eventuell ein totes Tier im Wasser liegt (also nah an der Quelle das Wasser entnehmen)
  4. Oder wo die Gefahr der Verschmutzung durch Viren/Bakterien und Gifte nicht ausreichend beurteilt werden kann

Wenn man sich dann entschieden hat Wasser zu entnehmen dann sollte man das bevorzugt an Stellen tun, wo durch den Fluss eine Umwälzung des Wassers stattfindet und nicht aus ruhigen Ecken wo das Wasser steht.

Wasserfilterung und -aufbreitung

Besonders für den Fall „Bach“ (Fluss, See) lohnt es sich daher einen Strohhalmfilter oder einen Sawyer Miniwasserfilter dabei zu haben. Beide kosten nicht die Welt, beruhigen das Gemüt und verhindern im Zweifelsfall zuverlässig Brechdurchfall – und glaubt mir: das will niemand haben!

Eine andere Möglichkeit, die ich aber NICHT empfehlen möchte ist die Sterilisierung mit Chemie. Zum einen schmeckt das Wasser dann sch…, zum anderen, und das ist der wichtigere Punkt, bin ich eher dafür so wenig Chemie wie möglich zu schlucken, wenn sich’s vermeiden lässt – und das tut es, wir schlucken im Alltag eh schon viel zu viel.

Ein weiterer Nachteil zum Filter ist die Einwirkzeit – eine Stunde muss man im Schnitt schon warten.

Wen es aber doch nicht anders geht, dann sind Micropur und Aquamira zwei der bekanntesten Produkte.

In Tibet habe ich sehr oft aus Flüssen, Bächen und Seen getrunken da es nicht anders ging. Zur Wasserentkeimung habe iches entweder abgekocht, sprich, damit Abendessen gekocht und nen Tee, morgens Frühstück und Kaffee/Tee, den Rest habe ich mit (Povidon-) Jod entkeimt, da ich das es zur Wunddesinfektion dabei hatte.

Wie bei uns Produkte auf Chlor-Basis, ist in Nordamerika Jod (Iodine) der Standard. In Deutschland ist es allerdings verboten für die Trinkwasserentkeimung, angeblich wegen Allergiegefahr.

Ich hatte keine Probleme, aber ich empfehle es trotzdem EXPLIZIT NICHT.

Solltest du es aber doch verwenden, dann ist die Dosierung 1-2 Tropfen pro Liter, nicht mehr. Nach einer Stunde Einwirkung sind die allermeisten Erreger abgetötet so, dass dein Körper mit einem etwaigen Rest keine robleme hat. Zur Geschmacksverbesserung und für deine Gesundheit gibst du dann eine Messerspitze Vitamin C-Pulver (aka Ascorbinsäure …) dazu, was irgendwelche Jod-Reste neutralisiert und das Wasser schmackhaft macht.

Jod- und auch Chlorwasser schmecken einfach nicht so toll.

Dazu am Besten daheim schon das Vitamin C Pulver besorgen, gibt’s günstig bei dm und bestimmt auch der Konkurrenz oder wenn alle Stricke reißen beispielsweise auch hier. unterwegs im Ausland hatte ich massive Probleme und musste immer Vitamin C Pillen klein machen, was nur mäßig gut funktionierte.

Der Vollständigkeit halber sei noch eine weitere Methode erwähnt um die Wasserversorgung auf Tour durch eventuell biologisch kontaminiertes Wasser sicherzustellen: die Entkeimung mittels UV-Licht. Prinzipiell würde es bereits ausreichen Wasser in klare, durchsichtige Flaschen (Glas, PET, …) zu füllen und einige Zeit in die pralle Sonne legen.

Meistens gibt man so eine Sicherheitsgröße wie 24 Stunden an, wahrscheinlich dauert es in echt nicht so lang. Wem das dennoch zu lang ist (und Leuten die unterwegs und durstig sind ist es definitiv zu lang), für den gibt es den Steripen den man aktiviert kurz reinhängt und falls was vorher gelebt hat, tut es das jetzt nicht mehr.

Was der Steripen allerdings nicht kann ist Gifte neutralisieren, und er braucht Strom (Akkus(Batterien).

Abschließend noch eine Anmerkung zur Situation in Deutschland/Europa: es gibt wohl diverse Trinkwasser-Finder Apps, allerdings ist mir bis jetzt auf die Schnelle noch keine Gute ins Auge gesprungen …

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