Ozeanrudern: eine kurze Einführung

Ozeanrudern (engl. Ocean Rowing) ist ein zunehmend populärer werdender Extremsport bei dem Ozeane mit Expeditionsausrüstung in hochseetauglichen Ruderbooten überquert oder Inseln umrundet werden.

John Fairfax und Sylvia Cook rudern die Britannia II
John Fairfax und Sylvia Cook rudern über den Pazifik

Der Ozeanrudersport heute

Seit 1997 findet alle zwei Jahre ein Rennen mit Ruderbooten über den Atlantik statt. Initiiert wurde dieser Wettbewerb, der von den kanarischen Inseln nach Westen in die Karibik führt und bei dem es nichts zu gewinnen gibt von Sir Chay Blyth.

Blyth erlangte erstmals Bekanntheit als er 1966 zusammen mit John Ridgeway in 92 Tagen die legendäre erste Atlantiküberquerung der beiden Norweger George Harbo und Frank Samuelson wiederholte (mehr dazu später).

Seit 2009 gibt bzw. gab es weitere Regatten – ein Rennen über den indischen Ozean, ein Rennen über den Nordatlantik von den USA nach England und ein Rennen über den Pazifik von San Francisco nach Hawaii.

Der Sport wird hauptsächlich von Briten und Franzosen ausgeübt und offiziell durch die in London ansässige Ocean Rowing Society repräsentiert.

Seit 2006 veranstalten die Franzosen ebenfalls ein Rennen, das Rames Guyane von Westafrika nach Südamerika (Dakar/Senegal – Französisch Guyana).

Gerudert wird allein oder als Zweierteam (Ausnahme: im Rames Guyane wird ausschließlich alleine gerudert), wobei es aber auch Teams mit 4 und sogar 8 Personen gibt. Die Regatta Teilnehmer werden für den Fall, dass Unterstützung nötig sein sollte von einem Segelboot begleitet.

Trotz der heutzutage regelmäßig stattfindenden Regatten sind bis heute deutlich weniger Menschen über einen Ozean gerudert als auf den Mount Everest gestiegen (Ozeanruderer die einen Ozean überquert haben: circa 600, Menschen die den Mt. Everest erfolgreich bestiegen haben: circa 6000).

Abgesehen von Regatten gibt es noch eine handvoll hartgesottener Abenteurer, die alleine und ohne Begleitung über Ozeane rudern.

Die populärste, da als einfachste angesehene Route ist die so genannte „Tradewinds-Route“ (Passatwind-Route) von den Kanarischen Inseln, beziehungsweise nordafrikanischen Küste, nach Westen in die Karibik.

Zwischenzeitlich wurden aber schon fast alle Meere errudert: Nord- und Süd-Atlantik, Nord- und Süd-Pazifik, der Indische Ozean, die Nordsee und sogar die Nordostpassage. Eine Umrundung der Antarktis wurde versucht und ein erneuter Versuch wird in absehbarer Zeit unternommen werden.

Design und Ausrüstung der Boote

Die frühen Ozeanruderboote

Die von den beiden Norwegern George Harbo und Frank Samuelson benutzte Fox war eine einfache Skiff, ein offenes Boot aus Eichenholz in beplankter Bauweise mit zwei wasserdichten Kammern für Proviant und als Auftriebshilfe im Falle einer Kenterung.

Viele der frühen Ruderboote sind allerdings der Familie der Dory Boote zuzuordnen, kleinen, ruder- und besegelbaren Fischereihilfsbooten: 3,5 bis 5m lang, mit flachem Boden, in einfacher, leichter Konstruktion und günstig. Sie dienten als Basis und wurden dann entsprechend dem Einsatzzweck modifiziert.

Mit dem Aufkommen der modernen Ozeanruder-Unternehmungen wurden geeignete Boote speziell und individuell für diesen Zweck konstruiert und das Design kontinuierlich verbessert.

Angefangen vom legendären Design des Uffa Fox (Britannia I + II, Bauplan Britannia II) über Kathleen und Curtis Saville’s Excalibur, Peter Bird’s Sector 2 und vielen weiteren mehr.

Das Challenge-Class Boot

Mit dem AORR (Atlantic Ocean Rowing Race) 1997 wurde allerdings ein einheitliches Design notwendig, das Chancengleichheit sichern, ein Maximum an Sicherheit und Zuverlässigkeit bieten und bezahlbar sein sollte.

Olly Hicks rudert die Miss Olive
DATEN
Länge: 7.1 m or 23.4 ft
Breite: 1.9 m or 6.3 ft
Leergewicht: 250 kg or 550 lbs
Ballast: 150 kg or 330 lbs of water
Gewicht (beladen): 750 kg or 1.650 lbs
Material: Lloyds certified marine-grade plywood

Dieses als „Challenge Class“ bekannte Bootsdesign wurde von Phil Morrison & Peter ‚Spud‘ Rowsell entwickelt und ist auch heute noch als Bausatz aus Lloyds zertifiziertem Bootsbausperrholz erhältlich.

Es ist heute der Quasi-Standard und erfreut sich auch großer Beliebtheit im Expeditionseinsatz.

Moderne hochseetaugliche Ruderboote sind Hightech-Geräte; ihre Ausstattung umfasst neben GPS-Navigation und Funkgerät eine Meerwasserentsalzungsanlage zur Trinkwassererzeugung, einen Radarreflektor um das Boot auf dem Radar anderer Schiffe größer erscheinen zu lassen, einen Peilsender zur Routenverfolgung sowie einen Notsignalsender (ein so genanntes EPIRB).

Optional, aber meistens ebenfalls zur Ausrüstung gehörend sind: ein Satellitentelefon, Laptop, Kameras und nach individuellem Geschmack Unterhaltungsgeräte wie Mp3-Player. Mit Enerige wird das ganze durch Solarzellen und eventuell einem zusätzlichem Windgenerator versorgt der in speziellen Bootsbatterien gespeichert.

Seit 2002 gibt es eine neue Generation der Challenge Class Boote, die komplett aus glasfaserverstärktem bzw. in der „Luxusversion“ mit kohlefaserverstärktem Kunststoff hergestellt werden.

Diese Herstellungsweise macht das Boot noch robuster bei gleichzeitig geringerem Gewicht. Klassiker ist trotzdem weiterhin das Zweier-Boot von Morrsion, das auch allein gerudert werden kann und wird.

Spezialkonstruktionen werden von einer handvoll Hersteller angeboten, die fast ausschließlich in Großbritannien ansässig sind. Bis jetzt wurden Boote für Mansnchaften bis 14 Ruderer gebaut.

Wie man über einen Ozean rudert

Ablegen

Die erste Herausforderung bei einer Ozeanüberquerung mit einem Ruderboot ist es sich von der relativ gefährlichen Küste zu entfernen. Relativ gefährlich deshalb, weil es an Küsten oft Felsen, starke Strömungen und Schiffsverkehr gibt und ein Hochseeruderboot systembedingt nur so manövrierfähig ist wie ein Mensch ein Boot mit einem Gewicht von einer Tonne bei Wellengang bewegen kann: nämlich nur langsam und kräftezehrend.

Bild der Reste von Alex Bellinis Boot ROSE DE ATACAMA auf Formentera. Mit freundlicher Genehmigung der Ocean Rowing Society.
Schiffbruch mit Ozeanruderboot

Kommen dann noch ungünstige Strömungen und die falsche Windrichtung hinzu kann es schnell gefährlich werden. Befindet sich das Boot aber erst mal auf dem offenem Meer ist es relativ sicher – sofern man sich eine Jahreszeit mit möglichst stabiler Wetterlage ausgesucht hat. Trotz der richtigen Jahreszeit ist dies aber kein Garant für eine ruhige Passage. Insbesondere verursacht durch die globale Klimaerwärmung, kann es trotzdem zu Stürmen außerhalb der Hurrikan- oder Taifunsaison kommen.

Kontakt mit Schiffen

Neben Stürmen sind Kollisionen mit Schiffen, Treibgut und großen Tieren ernstzunehmende Gefahren, wobei eigentlich nur Treibgut wirklich gefährlich ist – es wurde unter anderem dem legendären Peter Bird zum Verhängnis. Auch gibt es praktisch keine Berichte dass ein Wal vorsätzlich ein Schiff beschädigt hätte (außer er wurde bedroht oder anderweitig bedrängt), es ist aber schon mal vorgekommen.

Die Kollision mit einem Schiff ist zwar eine angst-einflößende Vorstellung, allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass ein kleines Boot wie ein Ruderboot von der Bugwelle des großen Schiffes verdrängt würde. Problematisch kann es allerdings sein wenn das Ruderboot am Seeanker liegt und sich dieser in der Schiffsschraube verfängt.

Im besten Fall wird der Seeanker (eine Art Fallschirm im Wasser) abgerissen, im schlimmsten würde das Boot unter das Schiff gezogen – die Folgen kann sich jeder vorstellen. Fraglich ist zudem ob die Besatzung des Schiffes es überhaupt mitbekommen würde, denn ein kleines Boot ist von der Brücke eines Schiffes kaum zu sehen und viele Schiffe fahren entgegen den internationalen Vorschriften oft mit unbesetzter Brücke unter Autopilot.

Haie, Wale, Quallen

Eine weitere Gefahrenquelle ist der Kontakt mit Meereslebewesen, wie Raubfischen und Quallen. Gelegentlich muss man ins Wasser um den Rumpf von Entenmuschelbewuchs zu befreien. Wenn man zu zweit ist kann zumindest einer den Ozean beobachten und den anderen warnen, allein ist das nicht möglich und es liegt an einem selbst.

Portugiesische Galeeren, eine Quallenart mit äußerst unangenehmem Nesselgift sind eine weitere potentielle Gefahr, die größte ist aber menschliches Versagen: durch Ignoranz, mangelnde Umsicht und Unachtsamkeit durch Übermüdung. Daher ist es immens wichtig alle Arbeiten konzentriert zu erledigen und konsequent Routinen einzuhalten.

Bild einer Portugiesische Galeere, Wikipedia
Portugiesische Galeere, Wikipedia

Körper und Geist

Nach Meinung erfahrener Ozeanruderer ist es zu 80% eine mentale Sache über einen Ozean zu rudern. Fitnesstraining zur Vorbereitung ist zwar nicht ganz unwichtig, aber vor allem bei langen SoloExpeditionen nicht in dem Umfang nötig, wie sich das ein Normalbürger vielleicht vorstellt. Über einen Ozean zu rudern ist in erster Linie ein Ultra-Marathon im Grundlagenausdauerbereich bei dem man genug Zeit dem Körper die benötigte Zeit zur Anpassung zu geben. Wichtig ist vor allem über eine gute Grundfitness zu verfügen und den nicht sofort mit hochleistungen zu überfordern.

Viel wichtiger aber als mit einem super-fitten Körper anzutreten ist es aber genug Körperfettreserven zu haben beziehungsweise diese vorher aufzubauen um unterwegs davon zehren zu können. Ein Energiebedarf von 7000 bis 8000 Kalorien täglich ist die Regel, und kann über Wochen und Monate allein durch erhöhe Nahrungsaufnahme nicht gedeckt werden, da der Körper nur eine bestimmte Menge Energie pro Tag aufnehmen und verarbeiten kann. Anders ausgedrückt bedeutet es: wenn man keine hat muss man sich Fettreserven anfressen um zu verhindern, dass der Körper Muskelmasse abbaut!

Mit dem Strom schwimmen

Im gleichen Maße wie es wichtig ist physiologische Aspekte zu berücksichtigen, ist es auch wichtig sich natürliche Gegebenheiten zu nutze zu machen. Um nach dem Ablegen Distanz zwischen sich und die relativ gefährliche Küste zu bringen ist es wichtig auf günstige Wind- und Strömungsverhältnisse, und ein möglichst langes Zeitfenster mit diesen Bedingungen zu warten. schliesslich ist kein Mensch so stark, dass er dauerhaft gegen Wind und Strömungen anrudern kann.

Ebenso macht es wenig Sinn bei ungünstigem Wind und hohem Wellengang weiter zu rudern und seine Kräfte zu verschwenden. Besser man bringt in solchen Fällen den Seeanker aus und wartet auf bessere Bedingungen. Überhaupt ist es nur möglich mit den Naturgewalten zu rudern, d.h. auf Strecken zu rudern wo man die vorherrschenden Winde im Rücken und hat und die Strömung in die gleiche Richtung führt wie die Reiserichtung.

Theoretisch braucht es dann noch nicht mal einen zusätzlichen Antrieb – ein schwimmendes Objekt, z.B. vor den Kanarischen Inseln ins Wasser geworfen würde automatisch in ca. neun Monaten in die Karibik getrieben werden. Durch Rudern lässt sich diese Dauer von einer einzelnen Person auf drei bis vier Monate verkürzen. Grundsätzlich rudert es sich weltweit am besten zwischen dem 40.° Grad südlicher und dem 40.° Grad nördlicher Breite. Dabei wiederum aufgrund der vorherrschenden Winde und Strömungen besser auf der Südhalbkugel nach Westen und auf der Nordhalbkugel nach Osten.

Zur Trinkwassergewinnung haben sich spezielle Meerwasserentsalzungsanlagen bewährt die mit Solarstrom betrieben werden. Regen auffangen wäre zwar theoretisch möglich, praktisch gesehen regnet es aber meistens wenn es stürmt, d.h. es ist schwierig „sauberes“, nicht durch Salzwasser verunreinigtes Regenwasser zu sammeln Außerdem ist es potentiell gefährlich sich bei Sturm mit dieser lebensnotwendigen Aufgabe zu beschäftigen.

Proviant und Ernährung

Auf einer mehrmonatigen Ozeanruder-Expedition muss man seine Nahrung und Trinkwasser zumindest teilweise mitführen. Essen wird in der Regel portioniert in Tagesrationen in gefriergetrockneter Form mitgeführt und durch Zugabe von heißem Wasser zu einer mehr oder weniger schmackhaften Mahlzeit.

Wichtig ist, dass die Mahlzeiten geschmackliche Abwechslung bieten, einfach und schnell zuzubereiten sind, denn eigentlich will man sich nicht noch zusätzlich mit umständlicher und langwieriger Zubereitung von Gerichten befassen – schon gar nicht auf einem kleinen schwankenden Boot, und dass sie zur Not auch ohne Zubereitung oder nur mit kaltem Wasser verzehrt werden können.

Der Nachteil von gefriergetrockneten Produkten ist, dass sie relativ teuer sind und in manchen Ländern langwierige Zollformalitäten erfordern. Es ist auch möglich auf konventionelle, haltbare Nahrung in Form von Konserven und Trockenprodukten aus dem Supermarkt zurückzugreifen, diese sind allerdings wesentlich schwerer und es bedeutet deutlich mehr Aufwand eine ausgewogene auf den Zweck hin optimierte Ernährung zu erreichen.

Ergänzung der Nahrung durch das Fangen und den Verzehr von Fischen unterwegs ist eine weitere Möglichkeit. Der Verzehr von Fisch allein ist aber nur bedingt geeignet, da Fisch vor allem sehr eiweißreich ist. Der menschliche Körper kann aber nur eine bestimmte Menge an Eiweiß pro Mahlzeit aufnehmen und es auch nicht unmittelbar in Energie umwandeln.

Bei einer proteinreichen aber sonst energiearmen Ernährung würde der Körper langfristig schwächer da er zusätzliche Energie aufwenden muss um Körpermasse in Energie umzuwandeln und diese danach wieder aufzubauen. Da es zudem nicht möglich ist dem Körper auf Meeresteappen eine mehrtägige oder mehrwöchige Auszeit zu Erholung zu gönnen ist es essentiell wichtig energiereiche Nahrung mit sich zu führen.

Geschichte und herausragende Personen

Geschichtlich gesehen kann man Ocean Rowing in zwei Epochen unterteilen: die ersten zwölf Ozeanüberquerungen werden als historische Ozeanüberquerungen angesehen, da sie mit wenig bis keiner modernen Ausrüstung unternommen wurden. Im gleichen Maße werden alle Ozeanüberquerungen die danach stattfanden als moderne Überquerungen bezeichnet. Zentrales Organ für den Ocean Rowing Sport ist die in London ansässige Ocean Rowing Society.

Die erste Ozeanüberquerung

… in der Geschichte der Menschheit wurde von zwei nach Amerika ausgewanderten norwegischen Fischern, George Harbo und Frank Gabriel Samuelson, unternommen. Sie legten am 6. Juni 1896 um 17Uhr Ortszeit in New York ab und erreichten St. Mary’s auf den Scilly Inseln (UK) am 11. August um 11Uhr vormittags (GMT). Ihr Ruderboot, die Fox, benannt nach dem Verleger der das Unternehmen finanziell unterstützte, war ein einfaches offenes Ruderboot mit einem wasserdichten Abteil für Proviant und 2 Ruderplätzen.

Geschlafen und gerudert wurde abwechselnd. Um das Boot im Falle einer Kenterung wieder aufrichten zu können hatte es unter der Wasserlinie auf jeder Seite zwei Griffe angebracht. Die beiden Norweger überquerten den Nordatlantik in 55 Tagen, eine Rekordzeit, die bis heute selbst mit technisch ausgereifterer Ausrüstung auf gleicher Strecke nicht eingestellt wurde. Nachzulesen in: Die Eroberung des Horizonts

Die zweite Ozeanüberquerung

Bis ein Ozean ein weiteres mal per Ruderboot überquert werden sollte, sollten knapp 70 Jahre vergehen. Am 4. Juni 1966 brachen John Ridgeway und Sir Chay Blyth in ihrem Boot „English Rose III“ von Cap Cod (USA) auf um am 3. September nach 91 Tagen auf den Aran Inseln (Irland) anzukommen. Kurz zuvor hatten es die beiden Briten David Johnstone und John Hoare in ihrem Boot „Puffin“ versucht.

Von Virginia Beach (USA) legten sie ab um nie wieder gesehen zu werden. Der letzte Eintrag des Logbuchs des am 14. Oktober 1966 von der HMCS Chaudière entdeckten, umgedreht aber intakt auf dem Meer treibenden Bootes ergab, dass aufgrund von starken Winden kein Rudern möglich war. Es wird vermutet, dass beide am 106. Tag ihrer Reise in einem brutalen Herbststurm über Bord gingen und es nicht schafften sich zurück an Bord zu retten.

Der erste Alleingang: John Fairfax

Kurz darauf betrat einer der schillerndsten Figuren der Ozeanruder-Szene die Bühne: John Fairfax. Professioneller Abenteurer, Schmuggler, Pirat und vieles mehr. Sohn eines englischen Vaters und einer bulgarischen Mutter, mit der er nach dem 2. Weltkrieg zuerst nach Italien und dann nach Argentinien zog. Mit 14 beschloss er wie Tarzan im Urwald zu leben und verhungerte fast, bis er von den Indianern lernte im Urwald zu überleben. Mit Tierfellen verdiente er ein kleines Vermögen, das er anschließend mit einem chinesischen Callgirl in San Francisco in kürzester Zeit durchbrachte.

Er beschloss zurück zu seiner Mutter nach Argentinien zu gehen, hatte aber nicht mehr genug Geld. Er kaufte sich ein Fahrrad und bis Guatemala wo er dann keine Lust mehr hatte und bis Panama trampte. Unterwegs begegnete er einer Gruppe Artisten und Beatniks und schloss sich ihnen an. Drei Monate später heuerte er auf einem kolumbianischen Schiff an, wurde in eine Meuterei verwickelt und musste Hals über Kopf fliehen.

Danach ließ er sich als Schmuggler mit einem Piraten ein, bevor er im Sommer 1966 nach London kam um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen: als erster allein über den Atlantik zu rudern. Da der Schock über den Tod von John Hoare und David Johnstone noch frisch in den Köpfen der Menschen war, war der Zeitpunkt denkbar ungünstig und keiner zeigte sich an dem Projekt interessiert. Erst nachdem er den genialen Bootsdesigner Uffa Fox traf, der ihm die Britannia, ein spezielles Boot für sein Vorhaben konstruierte, ging es wieder vorwärts.

Das Design der von Uffa Fox entworfenen Britannia orientierte sich an einem Rettungsboot: sie war in mehrere wasserdichte Sektionen unterteilt, theoretisch unsinkbar, selbstlenzend und aggressiv selbstaufrichtend. Zudem hatte es an Bug und Heck zwei „Blasen“ (Abteile) aus auftriebsförderndem Kunststoff die gleichzeitig etwas Schutz vor den Elementen boten. John Fairfax startete am 20. Januar 1969 von den Kanaren – nach heutigen Erfahrungswerten relativ spät im Jahr – wodurch er die Passatwinde nicht in dem Maße nutzen konnte als wenn er ein bis zwei Monate früher gestartet wäre.

Zusätzlich hatte er zudem Pech mit dem Wetter, das die ersten zwei Monate ein Vorankommen nach Westen verhinderte. Nach genau 180 Tagen und unzähligen Abenteuern setzte er die Britannia am 19. Juli 1969 um 13:45 Uhr in Fort Lauderdale/Florida auf den Strand. Um die Bedeutung seiner Leistung einschätzen zu können sei erwähnt, dass sogar das Team der Apollo 11 Mondmission, bestehend aus Neil Armstrong, Michael Collins, Edwin A. Aldrin Jr., ihm aus dem All zu dieser Leistung gratulierten! Nachzulesen in: Britannia, rowing alone across the Atlantic

Die erste Frau: Sylvia Cook

Obwohl sich John Fairfax geschworen hatte nie wieder Riemen („Ruder“) in die Hand zu nehmen, tat er dies kurze Zeit später wieder und ruderte von San Francisco über den Pazifik nach Australien. Diesmal begleitet von einer Frau, Sylvia Cook, seiner Freundin aus London die er durch eine Zeitungsanzeige auf der Suche nach Unterstützern seines Atlantik-Ruderprojektes kennenlernte, und die ihn von da an unterstützte wo es nur ging.

Sylvia, damals selbst eine ambitionierte Ruderin, musste allerdings zuerst schwimmen lernen bevor sie sich mit ihm auf das offene Meer wagen konnte. Wer nun aber denkt sie sei nur Beiwerk gewesen der täuscht sich. nach dem John durch eine unglückliche Schicksalsfügung von einem Hai in den Oberarm gebissen wurde war sie es die die Wunde nähte und das Boot allein das restliche Stück nach Australien ruderte. Nachzulesen in: Oars across the Pacific

Die erste Frau alleine: Tori Murden McClure

Tori schaffte es am 3. Dezember 1999 als erste Frau den Atlantik allein in einem Ruderboot zu überqueren. Die US-Amerikanerin aus Brooksville, Florida startete auf den Kanaren und beendete die Überquerung auf der Karibikinsel Guadaloupe.

Es war ihr zweiter Versuch, im Vorjahr war sie wegen der beginnenden Hurrikansaison gescheitert. Nachzulesen in: A Pearl in the Storm: How I Found My Heart in the Middle of the Ocean

Ein weiterer bemerkenswerter Ruderer: Peter Bird

Schon als Kind war Peter Bird von Booten fasziniert. Nachdem er von John Fairfax, Chay Blyth und John Ridgeway las schlug sein Herz jedes Mal schneller sobald er einen dieser Namen hörte. Mit Mitte 20, er verkaufte zu dieser Zeit gerade Seidengemälde von Tür zu Tür, lernte er Derek King kennen, der kurz zuvor in einem kleinen Boot um Irland gerudert war.

Er fragte ihn ob er ein weiteres Projekt plane, worauf dieser mit „ja“ antwortete und ihm erzählte, dass er noch einen Partner suche. Das Projekt: um die Welt rudern. Am 24 März 1974 legten sie in John Fairfax‘ und Sylvia Cooks Britannia II in Gibraltar ab und erreichten 103 Tage später die Insel St. Lucia. Pleite kehrten sie nach London zurück und es sah so aus als ob seine Ozeanruderkarriere damit bereits zu Ende wäre.

Bis er davon hörte, dass ein gewisser Patrick Satterlee den Pazifik solo überqueren wollte. Sofort hatte er das Gefühl, dass eigentlich er dafür bestimmt sei dies zu tun. Als Bird kurze Zeit später mitbekam, dass Saterlee nach einem Tag aufgegeben hatte fuhr er nach San Francisco um die Britannia II zu finden, was ihm auch gelang. 1980 ruderte er nach Hawaii wo er bei der Annäherung an die Insel Maui in hohem Wellengang kenterte und die Britannia II an den Klippen zerschellte.

Ein hawaiianischer Bootsbauer bot ihm, mit Hinweis auf die Schuld der Hawaiianer am Tod Captain Cooks, daraufhin an, ihm gegen seine Mithilfe und ansonsten umsonst ein neues Boot zu bauen: die Hele-on-Britannia (hawaiianisch für „Fahr weiter, Britannia“). Da mittlerweile schon zuviel Zeit vergangen war beschloss Bird noch mal von San Francisco aus zu starten und erreichte diesmal nach 294 Tagen das Great Barrier Reef vor Australien, von wo er von einem australischen Boot geborgen wurde.

1990 beschloss er Geld für ein neues Projekt aufzutreiben: die erste Überquerung des Nordpazifiks von Wladiwostok nach Nordamerika, nachdem dem Franzosen Gerard d’Aboville die erste Pazifiküberquerung von Japan aus gelungen war. Am 3. Juni 1996 am 69. Tag seines fünften Versuchs fing das russische Rettungszentrum einen Notruf auf. Man fand das schwer beschädigte Boot, Rettungsausrüstung komplett an Bord jedoch keine Spur von Peter Bird. Wie es scheint, muss er von einer Welle mit Treibgut überrascht worden sein, die das Boot beschädigte und ihn vom Boot trennte.

Portait Peter Bird
Peter Bird
Porträt von Eugene Smurgis
Eugene Smurgis

Und noch ein außergewöhnlicher Ruderer: Eugene Smurgis

Eugene Smurgis wurde 1938 in Orenburg im Ural als Sohn eines Militärpiloten geboren. Nach der Schulzeit während der er mit Rudern begonnen hatte, und dem Studium begann er als Anthropologielehrer in Tulpan, einem weit ab gelegenen Ort an einem der Wolga Zuflüsse, an dem er zum ersten Mal das Boot seiner Träume sah und das seinen Lebensweg so entscheidend beeinflussen sollte.

Das Aussehen dieses Bootstyps hatte Ähnlichkeit mit einem holländischen Holzschuh und wurde seit Jahrhunderten von den alten Pomori Stämmen entlang der oberen Wolga benutzt. Er beauftragte einen ortsansässigen Handwerker ihm ein solches Boot zu bauen. Nachdem es fertig war unternahm er mit ihr eine 43-tägige, 4500km lange Testfahrt. Während den folgenden 20 Jahren ruderte er knapp 37.000km auf Wasserwegen innerhalb und entlang der Polarmeerküste Russlands und Sibiriens.

1976 ruderte er 26 Tage alleine ohne Kontakt zu anderen Menschen, zwei Jahre später nach Norden auf dem Weg zur Kara See nochmal 40 Tage. Aber sein ultimativer Traum war es mit seinem Sohn zu rudern. 1986, als dieser noch keine 15 Jahre alt war nötigte er ihn zu einem Ruderabenteuer. Motiviert von der Idee aus seinem in seinen Augen schwächlichen Sohn Alexander einen Mann zu machen folgten weitere Rudertrips. 1992 erreichten sie Murmansk, einen eisfreien Hafen nördlich des Polarkreises, von dem aus sie ein Jahr später über die Nordsee nach London ruderten um dort Sponsoren für ihre geplante Weltumruderung zu finden.

Die Route, zum größeren Teil nördlich des Polarkreises verlaufend, stellte ihre Leidensfähigkeit auf der 88-tägigen Reise ständig auf die Probe. Am 29. September 1993, vier Wochen nach ihrer Ankunft in London ruderte Eugene die Themse hinunter Richtung offenes Meer. Es war ihm nicht gelungen einen Sponsor zu finden, aber noch viel schlimmer, er war auch ohne seinen Sohn. Dieser war, abgeschoben als illegaler Immigrant, auf dem Weg zurück nach Russland. Eugene kämpfte sich verzweifelt weiter bis in die Bucht von Biscaya, wo er unter mysteriösen Umständen auf See in der Nähe von La Rochelle ums Leben kam. Sein unversehrtes Boot wurde in der Nähe am Strand angespült und tags darauf sein toter Körper.

Deutsche Ozeanruderer

Die Idee über einen Ozean zu rudern ist in Deutschland nahezu unbekannt und man dürfte bei Erwähnung des Themas schlicht weg nicht ernst genommen werden.

Bis zu zum Jahr (2012), in dem es Janice Jakait gelang als erste Deutsche vom europäischen Festland (Portimao, Portugal) in rekordverdächtiger Zeit von 90 Tagen nach Barbados zu rudern, gab es nur sechs Deutsche die jemals versucht haben über einen Ozean zu rudern.

Zwei davon im Jahr 1997, zwei im Jahr 2004 — getrennt und beide nicht in Deutschland lebend, und ein weiteres Zweierteam im Jahr 2010.

Die ersten Deutschen die jemals versuchten einen Ozean zu überqueren waren Boris Renzelmann und Nikolai Wedemeyer, als Zweierteam im Atlantic Ocena Rowing Race 1997, der ersten offiziellen Ruderegatta, von Teneriffa in Karibik. Leider mussten Sie nach 10 Tagen aufgrund einer schwerwiegenden Lebensmittelvergiftung aufgeben.

Im Jahr 2004 versuchten es erneut zwei Deutsche, allerdings nicht im selben Boot und auf unterschiedlichen Routen. Andreas Rommel, der eine der beiden aus dem Jahr 2004, versuchte sich am Nordatlantik, was ihm auch fast gelang, bis er sich am 14. September 2004 von der MS Elbe an Bord nehmen lassen musste.

Andreas Rommel auf der Lady Georgia.
Andreas Rommel auf der Lady Georgia
Ankunft in Antigua: Peter Raab und Tim Wilks mit der Martha Dos
Peter Raab & Tim Wilks, Ankunft auf Antigua

Den zweiten Versuch unternahm der auf Teneriffa lebende Peter Raab, dem es zusammen mit seinem Partner Tim Wilks und der Marta Dos gelungen ist im Rahmen der jährlich stattfinden Ruderregatta in die Karibik sich den Titel zu sichern und als erster Deutscher den Atlantischen-, sowie überhaupt einen Ozean im Ruderboot überquert zu haben.

Die anderen beiden sind Barbara Schwarzmann und Anton Weikmann. Ursprünglich wollte Barbara, inspiriert durch ihren Freund Alex Bellini den Atlantik alleine überqueren, entschied sich dann jedoch dagegen nachdem Anton Weikmann, ein Freund, davon erfuhr und ihr erklärte dass er mitkommen würde. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände endete das Abenteuer vorzeitig, glücklicherweise aber ohne Personenschaden.

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