Offline Navigation unterwegs: Samsung Galaxy S5 – das perfekte Multitool

ultralight-foto-navigation-samsung-galaxy-s5-das-perfekte-multitool

Lange habe ich mich gegen ein Smartphone gewehrt, und an alten Methoden der Offline Navigation unterwegs festgehalten. Und auch jetzt gehöre ich zu der wahrscheinlich ständig kleiner werdenden Gruppe von Menschen die zwar eins besitzen, es aber nicht immer und überall hin mitnehmen, geschweige denn ständig damit rumspielen.

Nicht erreichbar zu sein ist ein Luxus. Abgesehen davon ist ständige Erreichbarkeit ohnehin überbewertet. Und auch wenn das jetzt dem einen oder anderen bitter aufstößt: du bist nicht so wichtig, als dass du nicht eine Woche in den Urlaub gehen könntest ohne dass jemand gleich eine Vermisstenanzeige aufgibt.

Was Navigation angeht bin ich auch eher konservativ: gerne schleppe ich eine Karte mit, weil schon allein das Kartenstudium und sich überlegen zu können ob man lieber dort oder da lang fährt der halbe Spaß ist. Viel spaßiger jedenfalls als stur Schildern nach oder eine Route abzufahren. Außerdem hat man mit (Papier-) Karten einen größeren Überblick über eine Region ohne ständig zoomen und pannen zu müssen.

Kartenmaterial hat aber einen entscheidenden Nachteil: kommt mehr zusammen weil man entsprechend Details braucht, wird es schnell schwer und sperrig.

Um Gewicht zu sparen gibt es einige Strategien:

Man kann Karten auseinander schneiden und nur den Teil mitnehmen den man braucht, oder man kopiert Teile raus, die man dann, wenn man sie nicht mehr braucht, zum anzünden des Lagerfeuers verwendet.

Man kann auch Teile abfotografieren, auch von Bildschirmen. Das habe ich immer früher immer gemacht, auf meinen langen Touren in Asien wenn mir das entsprechende Kartenmaterial fehlte:

Internetcafe > Google Maps > reinzoomen/-pannen > Bildschirm abfotografieren

Für Touren in Gegenden mit generell wenig Wegen absolut praktikabel, weil es ja nur darum geht, Strassenbezeichnungen („S5“), Kreuzungen, Abzweigungen und Orte von logistischer Bedeutung (Essen/Übernachtung) zu identifizieren.

Man kann natürlich auch mit CUE-Sheets fahren, das funktioniert so, dass man sich die Route vorher zusammenstellt indem man alle Orte von Interesse chronologisch aufschreibt und mit entsprechenden Richtungsangaben und ggf. weiteren relevanten Informationen versieht. Das ganze laminiert man dann und hat damit dann seine text-basierte Route im Kreditkartenformat.

Meiner Meinung nach sind CUR-Sheets allerdings auch nur für weniger dicht besiedelte Gebiete mit geringer Wegenetzdichte tauglich.

Heutzutage läuft das in der Regel allerdings ganz anders. Da so ziemlich jeder ein Smartphone hat, schnallt er das an den Lenker um sich auf gut ausgeschilderten Fernradwegen nicht zu verfahren, oder sich per Navi-App zum nächsten Supermarkt leiten zu lassen.

Spott beiseite, das Ganze hat auch immense Vorteile. Mit dem Aufkommen von Navigationsapps die Offline-Navigation/Kartenmaterial unterstützen, sprich wo man im Gegensatz zu beispielsweise Google Maps nicht mit dem Internet verbunden sein muss damit es funktioniert, kann man stromsparend wie der Name schon sagt, Offline navigieren.

Nachdem ich nun immer mal wieder ein paar kürzere Touren unternommen, und mit dem Smartphone als ultralight Multitool hinsichtlich Praktikabilität im Hinblick auf Navigation und dem gelegentlichen Knipsen von Fotos experimentiert habe, bin ich nun vom Sinn des (richtigen) Smartphones als Ultralight-Multitool absolut überzeugt. Denn: DIESE Gründe sprechen für jeden der sich nicht mit unnötigem Kram belasten will eine klare Sprache:

Nur 1 Gerät, nur 1 Ladegerät und ggf. 1 Powerbank

statt Handy + Ladegerät, Kamera + Tasche, Ladegerät und ggf. Zubehör, Navi + Ladegerät oder Karten und Powerbank.

Es spart Gewicht, Platz und gegebenenfalls den Aufwand mehrere Akkus für verschiedene Geräte zu laden. Außerdem kann man, sollte der Speicher knapp werden, Bilder und Daten gleich oder temporär in eine Cloud-Lösung wie etwa Dropbox verschieben.

An dieser Stelle möchte ich auch noch auf den äußerst interessanten Artikel Photo Philosophy von Christine a.k.a German Tourist verweisen. Ich denke nicht jeder wird sie (in dieser extremen Form) teilen, aber darüber nachdenken kann man alle mal.

Am Anfang …

… war das Huawei Ascend Y300. Mit dem habe ich meine ersten Erfahrungen mit der schönen neuen Welt der Smartphones gemacht. Für damals knapp 100 Euro, neu und ohne Vertrag – ein Schnäppchen verglichen mit den mehreren Hundert Euro die die meisten so für ihre digitale Fußfessel liegen lassen um dann doch nur Selfies zu machen und Whatapp-Nachrichten zu schreiben.

Das Huawei war erstaunlich gut für den Preis, nur hat mir Google Play immer den ganze Speicher zugemüllt, worauf hin ich mich tiefer mit der Materie beschäftigen musste als mir lieb war.

Die meisten Dienste und Anwendungen von Google Play brauchte ich ohnehin nicht (eh kein Platz …), und „freie“ Geräte sind mir eh lieber. Frei heißt Custom Rom, ein Google-freies bzw. ungebrandetes (Android-basiertes) Betriebssystem, und in diesem Fall bzw. grundsätzlich hiess dies bis vor Kurzem CYANOGENMOD.

Dummerweise ist ein Custom Rom nicht so einfach zu installieren und es besteht theoretisch die Gefahr, dass man sein Telefon innerhalb von Sekunden in teuren Hightech Schrott verwandelt. Obwohl: andererseits ist es auch nicht wirklich schwer wenn man weiß wie’s geht (Custom Recovery installieren – Backup – Wipe – Custom Rom drauf flashen – einrichten – fertig), aber man muss einigermaßen wissen was man tut und das dauert eine Weile bis man seinen „Head around bekommen“ hat, selbst wenn man sich generell für Computer-affin hält (meine persönliche Einschätzung).

Jedenfalls hat es damals mit Handy #1 geklappt, alles war gut, jedoch hatte das Huawei trotz vieler Vorteile wie klein, handlich, robust, günstig, erweiterbarer Speicher und einem austauschbarer Akku auch einige Nachteile die auf Dauer nerv(t)en: ein auf Dauer zu kleines Display, der Prozessor war zu schwach und machte es langsam, die Kameraqualität unbefriedigend und mangende Modellpflege bezüglich des Custom Roms.

Das Samsung Galaxy S5

Der Markt an Smartphones ist extrem groß und unübersichtlich, es gibt Tests ohne Ende, nur leider kaum brauchbare für meinen Zweck. Der Markt schränkt sich für mich von vornherein schon mal dahingehend ein, dass ich:

  1. Windows weder auf dem Rechner haben will wenn ich es vermeiden kann, warum sollte ich es dann als Telefonbetriebssystem wollen?
  2. Ubuntu als weitere Mobilgerätebetriebssystem-Alternative bzw. ein ganzes Ubuntuphone mir zur Zeit noch zu exotisch ist, sowohl was Hardwarekompatibilität als auch was das Betriebssystem angeht. Darum noch nein Danke, keine Zeit für die ständige Suche nach Lösungen und Workarounds

Darum habe ich immer mal wieder Leute gefragt wenn sich die Gelegenheit ergab und unterm Strich kam raus Samsung Galaxy und iPhone.

Ein gebrauchtes iPhone 5S mit 16GB hätte ich zwar günstig bekommen können, aber, erstens war ich nie Apple-Jünger und wollte auch keiner werden, und zweitens sprachen der nicht erweiterbare Speicher und ein nicht ohne weiteres tauschbarer Akku einfach dagegen.

Beide Komponenten kann man zwar mittlerweile über spezielle Dienstleister ändern lassen, was es allerdings trotzdem zu einem Produkt macht das konzeptionell nicht meinen Vorstellungen entspricht und unter Strich ohne Performance-Vorteil deutlicher teurer ist als ein gebrauchtes Galaxy S5 mit allem drum und dran.

Was bliebe unterm Strich? Nüchtern betrachtet, nur der Eisdielenfaktor.

Lange Rede kurzer Sinn: nach eingehender Recherche bin ich beim Samsung Galaxy S5 gelandet weil es einfach so ziemlich alles hat was es zum perfekten Multipurpose Outdoor Device macht:

  • Günstiger Preis, gebraucht ab ca. 150 €
  • Großes Display, gut zum Navigieren und als Ebook Reader
  • Guter Prozessor = schnell
  • Auswechselbarer Akku
  • Gedichtet, ob es 100% wasserdicht ist will ich aber lieber nicht ausprobieren
  • Speicher nahezu beliebig erweiterbar, daher ausreichend Platz für Kartenmaterial, Fotos usw. (ich entschied mich für eine 128 GB SD-Card , da bestes Preis-Leistungsverhältnis)
  • Kompass und Sensoren für Outdoornavigation
  • Gute Kamera die auch noch bei schwierigen Lichtverhältnissen gute Ergebnisse liefert
  • aktuelle Custom Roms erhältich

Ich habe mir dann kurzerhand ein Gebrauchtes gekauft das allerdings Samsung- und T-Online gebrandet war, hab es ausprobiert und für gut befunden, und dann ein Cyanogenmod („klte“) installiert.

Das letzte Mal als ich ein Custom installiert hatte war aber schon eine Weile her, also hieß es erst Mal wieder recherchieren. Cyanogenmod ist aktuell noch erhältlich, das Projekt wurde aber anfang des Jahres eingestellt.

Dafür gibt es aber ein Nachfolgeprojekt, Lineage OS, auf das von einem aktuellen Cyanogenmod aus wohl relativ problemlos upgedated/migriert werden kann.

Die SD-Card habe ich so konfiguriert, dass sie den Telefonspeicher logisch erweitert also nicht als Wechseldatenträger für Mediendateien.

Letzteres wäre mir zwar lieber, aber das gibt Probleme mit der App-internen Verlinkung von Kartenmaterial, und da Kartenmaterial verhältnismäßig viel Speicherplatz wegnimmt gibt’s dann wieder (unnötigerweise) Platzprobleme.

Navigations-App(s)

Für jedes Bedürfnis gibt es ja in der Regel mehr als eine App und so ist es auch mit Navigationsapps.

Navigationsapps gibt wie Sand am Meer, sucht man eine die Offroad, also Wander- und MTB tauglich ist wird’s so langsam interessant. Auf dem alten Handy habe ich MAPS.ME verwendet, damit war ich ganz zufrieden, allerdings haben sich dann letztes Jahr im Urlaub verschiedene Probleme in der Praxisanwendung rauskristallisert, was hauptsächlich mit Updates der App zu tun hatte, dass dann widerum update des bereits heruntergeladenen Kartenmaterials nach sich zieht, und das nicht wirklich gut Offline funktioniert (Roamingkosten/Datenbeschränkungen, Netzverfügbarkeit).

Darum, ganz wichtig: was wir wollen ist eine Navigationsapp fürs Gelände die mit vorher runtergeladenen Karten Offline tadellos funktioniert, denn wir wollen ja Strom und vor allem im Ausland teure Datentransferkosten sparen und daher wenn möglich nur bei W-LAN Verfügbarkeit ins Internet gehen.

Die zwei populärsten Apps habe ich hierzu getestet, Orux-Maps und Locus-Maps, wobei mir Orux zwar optisch einen Tick besser gefällt, nicht zuletzt da bereits in der kostenlosen Version werbefrei, aber letztlich hat Locus Maps den Zuschlag bekommen, da es FÜR MICH besser funktioniert.

Um Offline Karten für Wander- und Bikepacking-Trips effektiv nutzen zu können braucht man natürlich offline-fähiges Kartenmaterial das man vorher runterlädt und optimierte Kartenstile, die einem das anzeigen was man braucht ohne den Screen mit überflüssigen Infos zu zu müllen.

Beides gibt es mit dem Openandromaps-Projekt.

Die Installation ist denkbar einfach: um das Elevate-Profil zu installerien ruft man einfach im Smartphone-Browser die Openandromaps-Website auf, geht auf Kartenstile und folgt den Anweisungen zur Browserinstallation (1-Click Installation).

Karten-Downloads sind unwesentlich schwieriger. Die einzige Schwierigkeit besteht eigentlich nur darin sich, sofern verfügbar für Regionale Karten oder für größere Übersichtskarten zu entscheiden.

Mehrere regionale Karten brauchen mehr Speicherplatz, laden dafür als einzelne Karte aber schneller weil sie kleiner sind. Die Deutschlandkarte wäre insgesamt kleiner als die Summe der Karten aller Bundesländer, aber dafür träger beim Zoomen und Pannen, außerdem lassen sich nicht mehr benötigte Karten dann löschen, wenn es mal Probleme mit Speicherplatz geben sollte.

Kamera App

Ein weiterer wesentlicher Grund das Smartphone einer „richtigen“ Kamera vorzuziehen ist, trotz offensichtlicher Nachteile wie blendendes Display bei Sonnenschein (was man allerdings mit Digicams ohne Sucher auch ein stückweit hat), meiner Meinung nach die Vielfalt an Einstellungsmöglichkeiten der Kamera Apps und hier vor allem die Möglichkeit vieler Apps beliebige Timerzeiten für den Selbstauslöser zu setzen.

Das macht das Smartphone als Kamera in Verbindung mit einem kleinen magnetischen Gorillapod ganz besonders attraktiv für Action-Selfies vom Stativ, da es eine individuellere Anpassung an die jeweilige Situation ermöglicht – sprich man muss sich nicht so hetzen – Auslöser drücken, zum Rad rennen – draufsitzen – losfahren – angestrengt natürlich aussehen und das Ganze noch 3x weil man das Timing nicht passte.

Sicher muss man am Anfang etwas experimentieren, aber irgednwann weiß man wie lang man ngefähr braucht und kann damit vor allem das Abfall-Material bei Filmsequenzen geringer halten.

Ich benutze Open Camera und bin ziemlich zufrieden.

Weitere Apps

Finalcam ist eine Fernsteuerungs-App für SJCAM-basierte (GoPro Klon) Action Kameras.

Dropbox (wer’s noch nicht kennt) ist meiner Meinung nach eine der sinnvollsten Apps – unheimlich praktisch zum Dateiaustausch und einfach zu bedienen – einfach Bilder und Dokumente rein, und sie sich daheim auf dem Rechner wieder rausziehen oder sie mit anderen Teilen, ohne Telefon verbinden, Daten suchen usw. Oder andersrum: Route gemütlich in beispielsweise GPSIES erstellen, als .kml oder .gpx Track exportieren, in die Dropbox stecken und von dort in die Navigationsapp auf dem Smartphone importieren.

Airdroid ein weiteres Programm um Files zu sharen, entweder daheim auf dem eigenen Rechner oder unterwegs. Durch das Webinterface kann man z.B. auf jedem Rechner oder Internetfähigen Fernseher sicher und ohne Spuren zu hinterlassen seine Bilder zeigen, beispielsweise seinen Gastgebern wenn man mal eingeladen wurde.

Fazit

Das Samsung S5 ist zwar nicht das neueste Gerät aber warum sollte man nicht aus dem Bedürfnis des Einen ein aktuelles Gerät haben zu wollen (oder wegen Knebelvertrag eins zu bekommen) Nutzen ziehen und damit ein perfekt gutes Gebrauchtgerät mit einem Jahr Garantie bekommen (Kauf via Gebrauchsgeräteplattform)?

Nachfolgemodelle funktionierten mit Sicherheit genauso gut logischerweise in bestimmten Bereichen sogar noch besser, wenn man mal von explodierenden Akkus bei einigen Geräten absieht, aber sie waren mir noch zu teuer – dieses hier kosteste mit allem drum und dran keine 200€ und passt in die Hosentasche.

Dem gegenüber steht im schlimmsten Fall: 1 Handy, 1 Navi und 1 Kamera, plus jeweiligem Zubehör – da muss man als Freund der ultraleicht- und doing-more-with-less-Philosophie nicht lange überlegen …

Empfehlungen

Panzerglas Displayschuztfolie
Schutzhülle (mit aufgeklebtem Klettband zur Befestigung auf dem Vorbau)
Samsung EVO 128 GB SD-Karte

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann tritt doch meiner schnell wachsenden Community bei und abonniere meinen Newsletter! Keine Angst, es entstehen dir keine Kosten und du kannst dich jederzeit austragen!

Hinterlasse eine Antwort