New Balance Minimus – bester Laufschuh für schwere Läufer?

Seit einiger Zeit laufe ich wieder ab und zu, nachdem ich wegen Verletzung und einer dadurch bedingten längeren Pause irgendwie den Wiedereinsteig versäumt hatte.

Und genauso wie damals und auch sonst wenn man auf großen Fuß lebt, hatte ich auch jetzt wieder das Problem mit den Schuhen. Wer Größe 48+ braucht hat’s nicht leicht. Dazu kommt ein nach wie vor unveränderter Trend zu schmalen Schuhen.

Eigentlich dachte ich ja immer es sei mit mir etwas falsch weil ich große breite Füße habe (in der Kindheit Einlagenmuffel und was einem sonst so eingeredet wird), dabei ist es eigentlich gerade andersrum – man schaue sich nur mal Bilder von Menschen an die barfußlaufend aufgewachsen sind (z.B. hier).

Ja und dann ist da die Sache mit dem Gewicht: schwankend zwischen 95 und 110Kg, entspricht man ohnehin nicht dem Druchschnittsläufer. Aber auch mit 110Kg konnte ich nach den üblichen anfänglichen Schwierigkeiten die wahrscheinlich jeder Läufer/Laufeinsteiger hat, beschwerdefrei und mit Spaß lange Strecken laufen. Wahrscheinlich weil ich mich gerade nicht an die offiziellen Empfehlungen gehalten, sondern mich relativ bald am Laufminimalismus und Natural Running
orientiert habe.

Für alle, denen Natural Running nichts sagt: die Doktrin der Laufindustrie war bis vor Kurzem, den Läufer durch immer ausgeklügeltere Dämpfungstechniken vor Gelenkverschleiß und Verletzungen zu schützen. Das Dumme dabei: die eingebauten Schutzmechanismen des menschlichen Haltungsapparates kommen nicht oder nur ungenügend zum Einsatz.

Das bedeutet, auf der einen Seite bleiben die körpereigenen Schutzmechanismen unter ihren Möglichkeiten zurück, auf der anderen Seite gewöhnt man sich oft eine falsche Lauftechnik an, die dann oft tatsächlich zu Verschleiß und Verletzungen führt.

Hier nun kommt das Barfußlaufen ins Spiel. Barfußlaufen zwingt den Läufer zu korrekter Technik, man läuft quasi instinktiv richtig. Leider gibt es beim Barfußlaufen aber ein großes Problem: die zweifelhaften Segnungen unserem technischen Fortschritts in Form von Asphalt, Schotter, Glasscherben und anderem spitz- und scharfkantigem Müll.

Aus diesem Grund wurden Minimalisten-Laufschuhe, auch bekannt als Barfußtrainer, entwickelt. Sie sollen für Barfußfeeling sorgen, das Fußgewölbe stärken und gleichzeitig den Fuß vor Schnitten und spitzen Steinen schützen. Viele dieser Schuhe der ersten Generation wie etwa die Nike Free Reihe waren aber bei genauerem Hinblick mehr ein modisches Accessoire als ein ernstzunehmender Laufschuh.

Eigentlich hatte ich mir sogar schon überlegt das Laufen komplett einzustellen, vor allem wegen der Problematik geeignete Schuhe zu finden. Irgendwann probierte ich dann mal den Saucony Kinvara aus und war begeistert – bis auf – ja, bis auf dass er ebenfalls eher schmal geschnitten ist. Allerdings ist er auch so flexibel, dass man es nach ein paar Metern nicht mehr merkt.

Dennoch, er ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem was die Sohle angeht, aber der Rest ist leider nur Mittelmaß.

Ja und dann stolperte ich in einem Bikepacking-Blog über den New Balance Minimus, wo er als idealer und leichter Off-Bike- und Camp-Schuh empfohlen wurde. Genauer gesagt, den New Balance MT10 D V2 *.

Nicht dass ich für so was Bedarf hätte, aber das Design sprach mich an und nachdem auch noch meine Größe lieferbar und der Preis ok war habe ich kurzerhand ein Paar bestellt.

Wenn Schuhe kommen die ich online bestellt habe, dann läuft es meistens so: ich freue mich über das Paket, mache es auf und probiere den Schuh — nur um ihn dann enttäuscht wieder zurück zu schicken. Zu schmal, zu klein, zu groß: es gibt heutzutage kaum noch verlässliche Angaben wodurch man einen Schuh ungesehen beurteilen kann. Ganz früher war eine 46er Größe eine 46er Größe denn sie übersetzte sich in so-und-so viel Zentimeter und man konnte sich darauf verlassen. Heutzutage kann man sich oft nicht mal mehr darauf verlassen, dass das bei Schuhen des gleichen Herstellers der Fall ist.

Dementsprechend war ich extrem positiv überrascht, dass der Minimus nicht nur die richtige Größe hatte sondern darüber hinaus auch noch wie angegossen passte! Er ist schön breit, hat aber gleichzeitig nicht soviel Luft dass man im Schuh rutschen würde – so ein Tragerlebnis hatte ich jedenfalls noch nie! Weiterhin fällt die gut profilierte Sohle auf, die gleichzeitig sehr minimalistisch aber trotzdem dick genug ist um ausreichend zu schützen.

Kurz gesagt: er passt wie eine zweite Haut.

Natürlich musste ich ihn gleich mal Probelaufen. Also raus in den Wald auf den Lieblingstrail. Und auch da muss ich sagen, läuft er sich so wie er sich trägt, wie er aussieht! Hätte man mir gesagt, es gäbe jetzt den perfekten Schuh, ich hätte derjenigen Person den Vogel gezeigt.

Natürlich ist auch dieser Schuh in Details bestimmt noch verbesserungsfähig, was ihn per Definition nicht perfekt machen würde.

Für mich ist er aber, insbesondere nach meinen persönlichen Schuh-Odysseen, das was ich mir unter einem perfekten Schuh vorstelle und darum empfehle ich ihn auch uneingeschränkt – auch für schwere Läufer, d.h. mit den üblichen Einschränkungen die allgemein für Minimalistenlaufschuhe gelten und die vor allem Ein- und Umsteiger und weniger Lauferfahrene beherzigen sollten.

Als da wären:

  1. Am Anfang nicht zu oft laufen
  2. Am Anfang nicht zu lange laufen
  3. Auf den Körper hören und nichts erzwingen
  4. Bei Bedarf und/oder wenn Unsicherheiten bestehen den Arzt des geringsten Mistrauens konsultieren

Mehr Tipps zum Barfußlaufen gibt’s hier bei Achim Achilles und in der Die Laufbibel von Matthias Marquardt.

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