Gicht, Polyarthritis, Rheuma – und wie ich mich davon kurierte

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Es begann wie es immer beginnt: irgend etwas im Fuß fühlt sich komisch an, so als ob man sich was gezerrt hätte – diejenigen die auch darunter zu leiden haben wissen was ich meine. Manchmal auch als ob man sich den Fuß irgendwo gestoßen hätte. Wenn man es noch nicht kennt, weiß man erst mal nichts damit anzufangen und hofft auf Besserung. Das ist der erste Fehler. Denn besser wird es meist nicht, und es entwickelt sich relativ schnell zu einem Gichtanfall.

So bei mir Geschehen im Frühjahr 2015. Damit aber nicht genug. Ich versucht den Gichtschub es mit den üblichen Medikamenten in den Griff zu bekommen, aber außer dass ich die Dosis ständig erhöhen musste tat sich nichts.Viel schlimmer noch, der Gichtanfall breitete sich aus, so dass ich zum Schluss 2 geschwollene Füße und ein steifes Knie hatte und nur noch an Krücken gehen konnte.

Die Schmerzen sind unerträglich und man weiß nachts oft nicht wie man sich hinlegen soll, wenn selbst eine leichte Decke schon Schmerzen bereitet. Von der Schwierigkeit unter diesen Umständen die Toilette zu benutzen will ich gar nicht reden …

Der Gichtanfall

Ein Gelenk, meist ist es eins der Großzehengelenke, ist stark gerötet, angeschwollen und schmerzt stark. Mit einem Gichtanfall im Großzehengelenk fängt die Leidensgeschichte eines Gichtpatienten in den aller meisten Fällen an.

Ist es das Zehengelenk dann schwillt meist noch der ganze Fuß an. Aber selbst wenn nicht, dann ist der Schmerz so schlimm, dass gehen d.h. inbesondere Auftreten in der Regel nicht mehr möglich ist.

Die ersten Gichtanfälle gehen meist wie sie gekommen sind, aber mit der Zeit und zunehmenden Alter werden sie schlimmer und die Abstände zwischen 2 Anfällen kürzer. Am Anfang können Jahre vergehen, später nur noch Monate oder gar Wochen, bzw. es wird chronisch.

Wie kommt es zu bzw. was passiert genau bei einem Gichtanfall?

Ganz genau weiß ich es nicht, denn ich habe weder das entsprechende Labor für die Diagnostik, noch hab ich je in ein von der Gicht entzündetes Gelenk reingeschaut.

Die offizielle Version ist die:
Gicht ist ein Stoffwechseldefekt der Harnsäure. Bestimmte Aminosäuren (Eiweißbausteine), die in Zellkernen vorkommen, sogenannte Purine, kann der Körper nicht in dem Maße ausscheiden wie er müsste wenn er ein Zuviel davon hat. Diese kristallisieren dann aus und lagern sich an den Gelenken an, bevorzugt an den Extremitäten, und hier bei der Mehrzahl der Betroffenen an den Füßen. Haben sich zuviele Kristalle an einem Gelenk angelagert, dann löst dies einen Anfall aus und eine Entzündung entsteht.

Entzündungen sind normalerweise eine gute Sache, denn sie helfen dem Körper ein Problem zu beseitigen das seine Gesundheit gefährdet. Das Dumme dabei ist, dass Autoimmunkrankheiten, also Krankheiten die den eigenen Körper schwächen oder angreifen, und dazu gehören Gicht, Polyarthritis und Rheuma im weitesten Sinne, dies nicht tun. Sie sind bzw. werden chronisch, also dauerhaft krankhaft.

Was ist Polyarthritis beziehungsweise Rheuma?

Arthritis, im Gegensatz zu Arthrose, bezeichnet eine entzündliche Gelenkerkrankung während Arthrose sich auf den Gelenkverschleiß bezieht.

Poly = mehrere; d.h. Polyarthritis ist einfach der Zustand wenn mehr als ein Gelenk gleichzeitig von einer Entzündung betroffen ist.

Rheuma dagegen ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von entzündlichen Erscheinungen, in Gelenken und Weichteilen.

Die Symptome sind ähnlich und so ist oft auch die Therapie.

Was tun bei Gicht? die schulmedizinische Variante.

Geht man um Arzt, vor allem zu einem Alteingesessenen, der schon länger (oder vielleicht noch nie) ein Update auf den aktuellen Wissenstand bekommen hat wird er in der Regel ein kortisolfreies nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), also ein Schmerzmittel mit entzündungshemmender Funktion wie beispielsweise Diclofenac oder Ibuprofen, verschreiben, zu einer purinarmen Diät raten, und, sollten die Anfälle sich häufen, ein Medikament mit dem Wirkstoff Alopurinol das die Harnsäureausscheidung besser regelt.

Häufen sich die Anfälle dramatisch oder wird die Sache chronisch, dann sind die nächste Stufe sogenannte kortisolhaltige (steroidale) Glukokortikoide. Und wenn’s ganz schlimm wird und die Glucokortikoide nicht wirken oder nicht vertragen werden gibt’s dann noch Colchicin, das man aber wegen der Nebenwirkungen nur noch in Ausnahmefällen anwendet.

Unterm Strich ist das aber alles etwas, was man nicht nehmen will, schon gar nicht dauerhaft.

Was verursacht Gicht?

Als Verursacher identifiziert die klassische Schulmedizin zum einen Übergewicht und an Nahrungsmitteln hauptsächlich Fleisch, manche Fische, Innereien und manche Gemüsesorten wie Blumenkohl oder Brokkoli, prinzipiell alles was über eine hohe Zelldichte verfügt und somit mehr Purine enthält. Außerdem bestimmte Getränke, wie Bier und harte Alkoholika.

Die Ratio dahinter ist die, dass man Gicht als Wohlstandskrankheit einstuft, weil sich im Mittelalter nur reiche Leute eine fleischreiche Ernährung leisten konnten.

Was dabei übersehen wird ist das: reiche Leute konnten sich damals ebenfalls isolierte Kohlenhydrate wie teure Weißmehlprodukte, beziehungsweise allgemein „Luxusnahrung“ leisten, die sich die Allgemeinbevölkerung nicht leisten konnte, und durch die Möglichkeit eines Energieüberschusses gepaart mit mangelnder Bewegung sorgte dies für Übergewicht, was wiederum zu Gicht führen konnte.

Wenn man heute (Stand: Juni 2016) im deutschen Internet recherchiert, dann finden sich fast ausschließlich dieser antiquierte Standard-Erklärungsansatz, wie etwa die Deutsche Gicht-Liga (Aber immerhin haben sie auch schon von der Schädlichkeit von isolierter Fruktose gehört).

Auch die Ernährungsberater bemühen das gleiche Mantra, siehe beispielsweise hier: UGB.

Aber es gibt auch Ausnahmen, wie diese hier: Apotheken-Umschau.

Schaut man über den Großen Teich, also recherchiert man mal im englischsprachigen Internet, merkt man, dass unsere amerikanischen Freunde uns wie immer eine Dekade voraus sind.

Hier ist man (Stichworte: Gary Taubes Gout bzw. Richard J Johnson MD Gout) mittlerweile zur Einsicht gelangt dass die einfache Gleichung:

Purinhaltige Lebensmittel = Gicht

nicht stimmt.

Die Verursacher werden vielmehr in einfachen Kohlenhydraten, wie Weißmehlprodukten, und Zucker gesehen, allen voran die Fruktose. Aber nach wie vor auch in Bier (viele Kohlehydrate) und hartem Alkohol, wobei der Alkohol selbst kein Verursacher ist, aber er beeinflusst den Harnsäurestoffwechsel negativ. Wein, d.h. Rotwein und trockener Weißwein scheinen dabei eine Ausnahme zu machen.

Das deckt sich größtenteils mit meinen eigene Erfahrungen. Ich esse zwar Fleisch, aber nicht übermäßig und auch wenig rotes Fleisch und Fisch eher selten. Innereien so gut wie nie, außer vielleicht gelegentlich in Form von Wurst.

Probleme bekomme ich vor allem wenn ich relativ viel Bier trinke, d.h. mehrmals die Woche mehrere Gläser/Flaschen und wenn ich mich über einen längeren Zeitraum schlecht ernähre – d.h. viel Getreideprodukte, Süßigkeiten, Alkohol.

Die Kur

Nach mehreren Wochen mit schmerz- und entzündungsstillenden Medikamenten war klar: so wird das nichts. Zum Arzt wollte ich nicht gehen, da ich mir dort nichts außer symptombekämpfung per Trial-and-Error erwartete, außerdem konnte ich ja auch gar nicht gehne, und welcher Arzt macht heutzutage noch Hausbesuche?

Was blieb? Das für mich Naheliegenste: Heilfasten.

Also begann ich mit einer Fastenkur die schließlich 5 Wochen dauerte. Mein absoluter Rekord, 5 Wochen bei Wasser, Tee und stark verdünnten Säften.

Am Anfang nahm ich parallel noch Medikamente gegen die Schmerzen, die konnte ich aber in der zweiten Woche absetzen. Nach 3 Wochen konnte ich wieder einigermaßen beschwerdefrei gehen, wobei es immer länger dauert bis man komplett schmerzfrei ist. Aber nach 3 Wochen war ich quasi motorisch wieder komplett hergestellt.

Um sicher zu gehen verlängerte ich noch um zwei Wochen, aber es wäre wahrscheinlich nicht nötig gewesen.

Für mich ist damit klar, dass Heilfasten absolut wirksam und weit mehr als ein „esoterisches“ Entschlackungsprogramm ist.

Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass Fasten die am meisten unterschätze Form ist sich selbst zu heilen, auch bei schweren chronischen Erkrankungen und es kann sogar eine Krebstherapie unterstützend begleiten.

Hierzu gibt es sogar eine ARTE/ORF Doku, bei der unter anderem eine Patientin während ihrer Chemotherapie fastet und damit die Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und eine schlechte mentale Verfassung auf ein Minimum reduzieren konnte.

Dies ist diametral entgegengesetzt zur anerkannten Lehrmeinung bzw. zu den Empfehlungen der Schulmedizin, die damit argumentiert, dass der Körper Energie bräuchte da die Chemotherapie so anstrengend sei.

Dabei wird gerade umgekehrt ein Schuh draus: dadurch, dass der Körper nicht mit Verdauungsarbeit belastet ist, hat er mehr Energie sich zu regenerieren. Siehe dazu auch dieses Video:

Also: wie sieht eine erfolgreiche Gichttherapie aus?

Eine erfolgreiche Gichttherapie fängt meiner Meinung nach an indem man die aktuellen Paradigmen mit Vorsicht betrachtet. Das schließt (fach-) Ärzte mit ein. Das soll nicht heißen, dass man dem Urteil und der Expertise von Ärzten grundsätzlich Mißtrauen sollte, nein.

Es bedeutet aber, dass man seine Beziehung zu einem Arzt der neuen Erkenntnissen und Therapieansätzen nicht aufgeschlossen ist, überdenken und diesen gegebenenfalls wechseln sollte.

Grundsätzlich ist Übergewicht in vielerlei Hinsicht nicht wünschenswert, darum sollte ein Ziel sein das Gewicht zu reduzieren:

Weniger Gewicht + gesunde Ernährung = weniger chronisches Entzündungspotential, mehr Fitness und Agilität = mehr Lebensfreude

Dabei hilft eine kohlenhydratreduzierte Diät, die ausreichend Protein, gesunde Fette, Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe enthält.

Die letzteren drei bekommt man durch den Verzehr von größeren Mengen Gemüse, Obst hingegen sollte nur in Maßen genossen werden, und vor allem nicht in Form von isolierter Fruktose wie etwa Smoothies oder pur genossene Fruchtsäfte – diese sollten wenn dann nur gelegentlich und stark verdünnt genossen werden.

Fleisch, Fett und Innereien die nach der klassischen schulmedizinischen Empfehlung zu meiden sind, sind erlaubt da die Logik:

Fleisch > Purin > Harnsäure > Gicht

schlichtweg nicht haltbar ist.

Allerdings ist Fleisch nicht Fleisch.

Ernährungsphysiologisch wäre das beste Fleisch fettes, selbsterlegtes Fleisch von wildlebenden Tieren. Da es aber in der heutigen Zeit weitestgehend illusorisch ist sich auf diese Weise ernähren zu können, bleibt den meisten von uns realistisch betrachtet nur die Wahl zwischen verschiedenen Supermärkten, mit Fleisch von zweifelhafter Qualität und aus zweifelhafter Herkunft.

Was tun?

Nun man kann es ignorieren, dem Bio-Mythos glauben schenken, oder versuchen einen guten Erzeuger in seiner Region zu finden. Letzterer wäre wohl die bestmögliche Lösung, allerdings ist dies für die meisten Städter logistisch betrachtet nicht wirklich eine Option.

Die beste Lösung ist damit wohl eine Individuelle.

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