Fahrradfahren ohne Helm? Warum ich ohne fahre – und warum du es vielleicht auch tun solltest

Fahrradfahren ohne Helm? Warum ich ohne fahre - und warum du es vielleicht auch tun solltest

Die unendliche Fahrradhelm-Diskussion – Fahrradfahren ohne Helm? Welcher Radler kennt sie nicht. „Wenn ich keinen Helm getragen hätte, dann wäre ich schon soundso oft gestorben“ – wahrscheinlich jeder hat diesen Satz schon mal gehört. Aber stimmt er auch? Was ist dran an den Behauptungen? Und können Helme wirklich Leben retten?

Ich bin kein Helmgegner

Versteht mich bitte nicht falsch – ich bin nicht grundsätzlich gegen Helme. Im Gegenteil, ich bin unbedingt dafür, dass man Helme aufsetzt wo es Sinn macht. Bei Downhill-Rennen beispielsweise. Hier besteht eine große Gefahr sich durch unkontrollierte Stürze ernsthaft zu verletzen, auch am Kopf.

Aber ist dies beim Durchschnittsradler der Fall?

Meiner Ansicht nach NEIN.

Sicher kann man so argumentieren, dass natürlich immer was passieren kann beim Fahrradfahren ohne Helm – dass man immer von einem Auto erfasst werden oder die Kontrolle über das Rad verlieren kann, und dann natürlich mit maximal fatalen Folgen. Aber: mit dieser Argumentation müsste man IMMER Helm tragen! Denn ich könnte ja -weil ich gerade in Gedanken bin – trotz Hinweisschild den feuchten Boden im Supermarkt übersehen und stürzen. Trägt irgend jemand deshalb auch als Fußgänger im Alltag Helm? Nein.

Moment, das ist so nicht ganz richtig. Gehe ich hier raus auf die Straße dann sehe ich immer mehr Kleinkinder die noch nicht laufen können und bereits im Kinderwagen Helm tragen (müssen).

Das ist fatal. Denn diese Kinder werden niemals mutige, selbstbewusste Erwachsene werden. Denn sie lernen ja schon von frühester Kindheit an, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist, vor dem man sich durch zusätzliche Gegenstände, idealerweise welche die man kaufen muss, schützen muss. Sie lernen, dass der Mensch allein so wie er in die Welt gekommen unvollständig ist und sich nicht schützen kann.

Aber nicht nur das – man enthält dem Kind durch „Überbehütung“ auch vor eigene, wenn auch schmerzhafte Erfahrungen zu machen. Auf die heiße Herdplatte fasst man nämlich nur einmal aus Versehen und passt danach auf. Und so ähnlich ist es auch mit dem Radfahren.

Ich bin schon in vielen Ländern Rad gefahren, insgesamt bestimmt mehr als 50.000 km, immer ohne Helm. Und ich lebe noch.

Warum lebe ich noch?

Ich lebe noch, gerade WEIL ich keinen Helm trage. Dadurch bin ich immer mit allen meinen Sinnen im jetzt und hier. Ich bin mir meiner Verwundbarkeit BEWUSST, und das schärft meine Sinne und Reflexe.

Aber nicht nur. Das Bewusstsein um meine Verwundbarkeit lässt mich im Zweifelsfall DEFENSIV agieren, d.h. obwohl es vielleicht mein Recht des Weges wäre bestehe ich nicht darauf, und rechne IMMER damit, dass er andere die Situation anders oder gar nicht wahrnimmt und mich dadurch über den Haufen fährt. An anderen stellen nehme ich mir selbstbewusst mein Recht und fahre in der Mitte der Fahrbahn, hauptsächlich wenn ich damit rechnen muss knapp überholt zu werden, oder dass jemand unbedacht die Fahrertür öffnet.

Kurz gesagt, ich agiere SOUVERÄN und SELBSTBEWUSST. Das rettet Leben.

Fahrradfahren ohne Helm? Kein Plädoyer gegen Helme!

Nun könnten meine Ausführungen so verstanden werden, dass ich ein militanter Helmgegner bin, weil ich beim Thema Fahrradfahren ohne Helm im Alltag so krompromisslos bin. Bin ich nicht. Ich mag sie nur nicht, ich finde sie häßlich, unwirksam (außer in o.g. Fällen) und sie beschränken meine Freiheit. Aber es ist mir völlig egal, ob IHR welche tragt.

Für mich ist das Tragen eines Helms (oder eben nicht) eine individuelle Entscheidung, die niemand etwas angeht (angehen sollte). Darum finde ich es extrem anmaßend wenn Menschen sich erdreisten einen darauf hinzuweisen, dass man doch bitte Helm tragen solle. Ist mir schon des öfteren passiert.

Zugegebenermaßen auf einem illegalen Trail im Wald, aber auch hier gilt: es ist anmaßend und geht niemand etwas an, denn ICH GANZ ALLEIN übernehme Verantwortung für mein Handeln.

Ja, ich hör schon das „Ja, aber …“ – ja, theoretisch haben sie recht. ABER. Ich könnte jetzt irgendeinen Helm aufsetzen. Den billigsten den ich finden kann, der muss nicht richtig passen und der muss auch nicht nachgewiesen haben, dass er schützt oder mich im Gegenteil nicht auch noch gefährdet. Sie wären zufrieden. Und genau DAS ist das Problem.

Machen wegen Konformität. Wegen Herdentrieb und Glaubenssätzen. Vielleicht auch aus eingeredeter Angst. Und vielleicht sogar auch wegen dem Coolnessfaktor. Jedenfalls nicht aufgrund persönlicher Einsicht.

Leute setzen einen Helm auf und schalten ihren Versand aus. Es ist so. Man braucht nur mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Aber, wie gesagt, jedem das Seine, und jeder sollte das so machen können wie er/sie will.

Müsste oder wollte ich mir einen Helm kaufen (muss ich nicht, ich hab einen an der Garderobe hängen …), dann würde ich mir wahrscheinlich den Giro Reverb kaufen, denn das Auge fährt ja auch mit. Wäre mir die Optik egal und ich würde danach gehen welcher am beliebtesten ist, dann wäre es der Uvex i-vo cc. Oder ein Nutcase, der dürfte auch die hohen Stilanforderungen der Damenwelt erfüllen 😉

Für viel wichtiger als einen Helm, gerade im Sommer wo alles Mögliche in der Luft rumfliegt, halte ich guten Augenschutz so wie diese Sonnenbrille.

In diesem Sinne: allzeit gute Fahrt!

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