Die Qual der Wahl: Schuhe, nur welche?

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Die richtigen Schuhe, also, gut passende, möglichst optimal für den jeweiligen Einsatzzweck geeignete Schuhe zu finden – ein Albtraum-Thema das mich schon mein Leben lang begleitet – kein Wunder bei Schuhgröße 48/49. Doch Rettung nahte in Form des Internets und der schönen neuen Welt des Onlinehandels.

Problem gelöst? Mit Nichten! Onlinehandel ist für Leute wie mich zwar eine Offenbarung – man bestellt, im Zweifelsfall mehrere Größen, und schickt die zurück die nicht passen. Oder eben alle wenn der gewünschte Schuh partout nicht dem entspricht was man sich bei der Bestellung noch erhoffte. »Support Your Local Dealer« – ich tät’s gerne, aber Leute: oftmals unkundiges Personal und dann müssen die Schuhe verbindlich bestellt werden – das geht nun wirklich nicht. Und ich wäre ja durchaus bereit für guten Service mehr zu bezahlen.

Neben dem Problem die richtige Größe zu treffen ist die Passform oft ein wesentliches Problem. Es gibt eben unterschiedliche Füße, allerdings sind die meisten Schuhe zu schmal wenn man wie ich breite Füße hat.

So richtig fängt das Problem aber erst an wenn es um „technisches Schuhwerk“ geht, also nicht um Alltagstreter für vergleichsweise kurze Strecken, sondern um Schuhe die Halt und Schutz bieten oder Verletzungen und Überlastungen verhindern beziehungsweise minimieren sollen.

Das »Allgemeinwissen«

Wenn es um Technisches Schuhwerk geht, ich picke hier mal exemplarisch die Gattungen Wanderschuhe und Joggingschuhe raus, dann gibt es bestimmte Glaubenssätze welche Schuhe wer, wann und warum anziehen sollte. Verstößt man dagegen oder ignoriert die neuesten Erkenntnisse der Sportindustrie und verläßt sich auf seinen eigenen Verstand, ist man ein Ketzer.

Dazu kommt noch, das Problem der Diversifikation: unterschiedliches Schuhwerk für unterschiedliche Anwendungen. Radschuhe zum Radfahren, Wanderschuhe zum wandern, Laufschuhe zum joggen, Schuhe zum abends weggehen. Daheim wahrscheinlich platzmäßig weniger ein Problem, muss man sich schon fragen: wozu denn? Und vor allem: wie das alles auf einer längeren Reise mit nur einem Rucksack oder Fahrrad transportieren? Und warum überhaupt? Ganz klar: hier müssen Abstriche und Kompromisse gemacht werden.

Beispiel #1: Wanderschuhe

Bei den Wanderschuhen geht der »Glaubenssatz« etwa so: für den gemütlichen Sonntagnachmittag-Verdauungsspaziergang ohne oder nur mit leichtem Gepäck (Handtäschchen) sind leichte Wanderhalbschuhe ausreichend. Längere, mehrtägige Touren mit Gepäck aber bitte nur mit stabilen Wanderstiefeln, Touren mit viel Gepäck und alpinen Hochtouren sowieso, gegebenenfalls sogar steigeisengeeignet.

Die Erklärung hierfür: Mit stabilen Stiefeln könne man mit schweren Lasten besser gehen, außerdem schützen sie vor Verletzungen und geben dem Fuß mehr Halt – beides eine unbewiesene Behauptung.

Da frage mich doch was Träger in Nepal wohl dazu sagen, wenn sie in Flip-Flops über Tage und Wochen 50Kg und mehr an Touristengepäck und Verpflegung die Berge hochtragen, für Touristen, die wiederum mit leichtem Tagesgepäck und der besten Ausrüstung die man für Geld kaufen kann sich die Berge hochquälen?

Beispiel #2: Joggingschuhe

Beim Joggingschuh geht das etwas anders, aber ähnlich. Stark verkürzt ungefähr so: je sportlich-athletischer ein Läufer, desto weniger Features braucht sein Schuh. Andersrum gesagt: jeder der dem Idealbild eines Läufers nicht entspricht, braucht spezielle Schuhe, die entweder das Gewicht dämpfen oder dafür sorgen, dass orthopädische Mängel des Fußes kompensiert werden oder beides.

Mein persönliche Erfahrung als schwerer Läufer: je weniger Dämpfung um so besser, Dämpfung macht erst recht die Gelenke kaputt, weil es zum einen dazu führt, dass die natürliche Haltemuskulatur verkümmert und zum anderen eine zu weiche Sohle dem Fuß mehr schadet als nützt.

Ultraleicht Trekking

Ein erstes Aha-Erlebnis hatte ich als mir ein Buch über Ultraleicht-Trekking (»Trekking ultraleicht«) in die Hände fiel, keine ganz neue Sache, aber bei Weitem noch nicht im Mainstream angekommen. Die Grundidee ist, das Gepäck auf das Allernötigste zu reduzieren, um leichter und schneller unterwegs zu sein. Dabei geht es weniger um die Steigerung der Geschwindigkeit, als vielmehr darum zu verhindern durch zuviel Gepäck behindert zu werden.

Beim Ultraleicht Trekking setzt man sich logischerweise mit allerlei Strategien zur Gewichtsreduktion auseinander dabei war ein wesentlicher Punkt die schweren Wanderstiefel durch leichte Trailrunningschuhe zu ersetzen. Und warum auch nicht? Warum sollten Schuhe, die dafür erdacht wurden einen Marathon oder sogar Ultras zu laufen nicht für anspruchsvolle Mehrtageswanderungen geeignet sein?

Minimalistisch Laufen

Die Industrie will verkaufen, dafür bietet sie für jedes Problem käufliche Lösungen an. Oft werden sogar Probleme erfunden um dann eine Lösung an den Mann/die Frau zu bringen.

Im Falle des Laufens sollte man sich an der natürlichsten Form des Laufens orientieren, so wie es unsere Vorfahren in der Steinzeit praktiziert haben: jeden Tag die Distanz eines Marathons zurücklegend während sie barfuß oder nur mit minimalstem Schuhwerk liefen.

Ganz ohne Schuhe laufen wäre natürlich das Ideal, aber dazu gibt’s mittlerweile zuviel Asphalt – ich persönlich hab es jedenfalls noch nicht geschafft auf Asphalt und ähnlichen Untergründen mehr als 3,4 km barfuß zu laufen ohne Blasen zu bekommen.

Allerdings sollte man das minimalistische bzw. Barfuss-Laufen langsam angehen, mit deutlich kürzere Distanzen und allgemein weniger Belastung. Ein Fuß der sein Leben lang in Schuhen war, die einen natürlichen Laufprozess weitestgehend verhinderten ist verkümmert, Bänder, Sehnen, Knchen und Muskeln brauchen Zeit um sich an die Belastung zu gewöhnen.

Empfehlungen was Schuhwerk angeht sind immer schwierig da individuell, ich denke aber es lohnt sich auf jeden Fall einen Blick auf den New Balance Minimus und seine Verwandten zu werfen.

Eine ausführliche Abhandlung über das Dilemma des Schuhkaufs im Allgemeinen und anspruchsvollen Wandertouren ohne schwere Stiefel im Besonderen gibt’s hier (englisch).

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