Die besten Laufschuhe für schwere Läufer

Ich war nie ein großer Läufer. Im Gegenteil, früher habe ich Laufen gehasst. Es lag sicher nicht daran, dass ich, als jemand der nicht gerade ein Fliegengewicht war, nicht die besten Laufschuhe für schwere Läufer hatte.

Nein, ich war einfach unfit und mir fehlte das Wissen über Zusammenhänge von Training und Leistung. Damals, bevor das Internet neue Wissenswelten eröffnete, war man entweder Sportler oder Nicht-Sportler. So was wie „eigentlich dürfte die Hummel nicht fliegen, dennoch fliegt sie“ oder „Laufen einfach nur zum Spaß“ gab es eher selten.

Wie alles anfing

Meine erste Laufphase hatte ich so Anfang des neuen Jahrtausends. Bürojob, Fitnessstudio doof und teuer und motiviert durch meinen „sportlichen Erfolg“ meiner Radtour ans Nordkapp, dachte ich ich, ich könnte es ja mal mit Laufen probieren.

Also, ab in den nächsten Laden, damals Breuninger Sport, mich zu Laufschuhen beraten lassen, hörte sich plausibel an, um dann mit einem paar unauffälliger Brooks den Laden zu verlassen.

Natürlich hatte man mir welche mit mehr oder weniger starker Dämpfung verkauft, denn die besten Laufschuhe für schwere Läufer sind welche die den Impact auf die Knie abzudämpfen, der durch das höher Gewicht wesentlich größer ist – so zumindest die Theorie.

Mangeln an Vergleichsmöglichkeiten hab ich das Thema dann auch nicht mehr weiter verfolgt, außerdem glaubte ich ja alles richtig gemacht zu haben.

Aber wie es eben so ist, es wurde mir irgendwann mal zu langweilig und immer erst raus in den Wald zu fahren hatte ich auch keine Lust also schlief es ein.

Die Zweite Phase

Bis 2011, als ich von meiner zweiten Langzeitreise zurück kam. Auf die Umstände will ich nicht weiter eingehen, aber auf den Winter hin zurück nach Deutschland kommen ist keine gute Idee, außer man hat eine Aufgabe zu der man zurück kommt.

Hatte ich aber nicht, also dachte ich mir „Warum nicht laufen? Fit biste noch von der Reise, soll auch so bleiben, und in ein Depri-Loch willste auch nicht fallen“.

Nicht zuletzt durch einschlägige Foren und motivierende Geschichten wollte ich es diesmal systematischer angehen und nachdem ich nach relativ kurzer Zeit schon (langsame) 20 km schaffte, rückte auch der Marathon ins Blickfeld.

Letztlich lief ich auch einmal Marathon Distanz, sogar darüber hinaus, aber es war mehr ein Selbstbeweis als ein gutes Rennen – dafür müsste ich noch ein, zwei Jahre kontinuierlich trainieren und vor allem mindestens 10-15 Kilo abnehmen, was vor allem für schwere Läufer nicht nicht so leicht ist – hart trainieren und wenig essen, da ihr Stoffwechsel anders funktioniert, sonst wären sie ja nicht erst schwer …

Die Qual der Wahl

Das Problem war nur, die alten Schuhe passten nicht mehr so recht, es mussten Neue her.

Also, machte ich mich erst mal schlau, mittlerweile gab es ja das Internet, ich war aber mehr verwirrt als dass es was half.

Auf der einen Seite gab’s die konservative Orthopädenfraktion, die einem Schuhe mit unterstützendem Design (Dämpfung, Pronationstütze, etc.) verkaufen will, und als anderes Extrem etablierte sich gerade der Nischentrend des Natur Running, auf den auch Nike mit zwar populären aber weitestgehend zum tatsächlichen Laufen unbrauchbaren Schuhen aufgesprungen ist.

Ich habe dann mehrere Schuhe und Schuhtypen von verschiedenen Herstellern durchprobiert, von welchen mit dicker Sohle (vielleicht haben die Orthopäden doch recht …?) bis hin zu Barfußtrainern.

Kein leichtes Unterfangen wenn man auch noch große Füße hat, denn hier schränkt sich die Auswahl nochmal weiter ein, einfach weil viele Hersteller große Größen gar nicht herstellen (von unterschiedlichen Weiten will ich gar nicht erst reden …) oder falls doch Händler sie Mangels geringerer Nachfrage gar nicht erst vertreiben, und wenn doch, dann meist zu exorbitanten Preisen im Vergleich zu den gängigen Größen.

Schließlich kam ich für mich zu dem Schluß:

Dicke Sohle und Dämpfung? Geht gar nicht!

Denn: ob Knieschmerzen, Shin Spints (Schienbeinkantensydrom) oder Achillessehnenreizung – je dicker die Sohle desto mehr Probleme hatte ich (siehe auch hier: schneller und verletzungfreier durch Barfußlaufen – allerdings schränkt er die Nutzung von Barfußtrainern stark ein, man will es sich ja mit der Industrie nicht verderben …).

Mittlerweile bin ich aber ganz glücklich mit dem Kinvara 4 von Saucony und dem New Balance Minimus.

Der Kinvara ist schön leicht, hat eine dünne Sohle und nur wenig Absatz. Einziges Manko: er ist mir etwas zu schmal, allerdings weitet er sich nach ein paar Metern, was es zu einem, wenn überhaupt, kosmetischen Problem reduziert.

Der Minimus als Minimalschuh beziehungsweise Barfußtrainer ohne Absatz ist noch leichter und schützt eigentlich nur den Fuß vor Verletzungen durch den Untergrund. Teil der Philosophie bei Barfußtrainern ist, dass die Zehen ausreichend Platz haben, und das haben sie. Alles in allem trägt er sich super und so läuft er sich auch.

Mit Minimalschuhen alles Laufen

Aber kann man vor allem als schwerer Läufer längere Strecken damit laufen?

Ja, man kann. Schließlich wird der Mensch ohne Schuhe geboren, hat die längste Zeit als Spezies ohne Schuhe verbracht und ist damals deutlich mehr gelaufen als wir im Durchschnitt heute – dabei meistens barfuß, auf jeden Fall aber ohne Absatz (oder „Sprengung“ im Läuferjargon, also der Niveau-Unterschied der Sohle zwischen Vorfuß und Ferse).

Der Absatz ist eine Erfindung die noch gar nicht so alt ist. Absätze wurden zunächst an Reitstiefeln zum besseren Halt im Steigbügel verwendet und darum bald schon als Statussysmbol der Reichen und Privilegierten, denn nur die konnten sich Reitpferde leisten.

Mit verbesserter Laufergonomie hat das Vorhandensein von Absätzen (also die mehr oder weniger starke Erhöhung des hinteren Teils des Schuhs) aber rein gar nichts zu tun.

Der natürliche Modus jedes Menschen ist es barfuß zu laufen. Und daran ändert auch nichts wenn Orthopäden einem von Kindesbeinen an Fehlstellungen einreden und Einlegesohlen aufschwatzen wollen. Einige der besten Langstreckenläufer laufen barfuß oder mit minimalem Schuhwerk wie beispielsweise manche ostafrikanischen Marathonläufer, oder die legendären Tarahumara-Indianer.

In der Kindheit fangen die Probleme in aller Regel an, denn ein Fuß der in Schuhe und vielleicht noch auf Einlagen gezwungen wird kann nie ein gesundes, kräftiges Fußgewölbe entwickeln – er degeneriert quasi bevor er sich richtig entwickelt hat. Dabei ist ein gesunder Fuß mit kräftigem Fußgewölbe nicht nur zum Laufen wichtig – er beeinflusst die ganze Haltung.

Die Gründe hierfür sind, wie gesagt, das Tragen von Schuhen von Kindesbeinen an und eingeredete Fehlstellungen die „behandelt werden müssen“.

Dabei wurde bis heute kein Beweis erbracht, dass Einlagen zur Fußkorrektur überhaupt wirksam, noch dass ein Senk-Spreizfuß oder ein Plattfuß eine Missbildung sind: – es sind einfach individuelle Features, so wie der eine blond und der andere dunkelhaarig ist, hat der eine eben so einen Fuß und der andere einen anderen.

Fängt nun der erwachsene Mensch mit Laufen an, dann tut er das in der Regel mit einem degenerierten Fuß mit einem schwachen Fußgewölbe. Trägt er dann auch noch Schuhe mit starker Dämpfung sind Probleme vorprogrammiert.

Darum laufe ich mittlerweile ausschließlich nur noch mit Minimalschuhen und Barfußtrainern, und auch im Alltag vermeide ich es tunlichst Schuhe mit Absatz zu tragen.

Vom Normalschuh zum Barfußtrainer

Allerdings geht die Umstellung auf Barfußtrainer oder Minimalistenlaufschuhe nicht so schnell wie man das eine Paar schuhe aus- und das andere anzieht. Das gilt vor allem wenn man schon Lauferfahrung hat und ein bestimmtes Pensum läuft. Dann kann der 1:1 Tausch zu massiven Beschwerden, bis hin zu Ermüdungsbrüchen durch Überlastung führen. Darum:

LANGSAM RANTASTEN!

Laufanfänger sind hier klar im Vorteil, da sie in der Regel noch nicht über die entsprechende Fitness verfügen um sich effektiv überlasten zu können.

Aber auch für sie gilt: konservativer Ansatz, nicht übertreiben, (lernen) auf den Körper hören, andererseits sich aber auch nicht bei jedem kleinen Zwicken Sorgen machen.

Aus meiner Sicht aber das Allerwichtigste wenn es um Barfußtrainer als Laufschuhe für schwere Läufer geht: Barfußtrainer ZWINGEN zu einer guten Technik.

Man muss nicht auf dem Vorfußlaufen wenn man mit Barfußtrainern läuft, aber man sollte unter allen Umständen VERMEIDEN mit der Ferse zuerst aufzukommen. Schuhe mit starker Dämpfung kaschieren dies und es ist sehr einfach sich eine falsche Lauftechnik anzugewöhnen.

Das geht mit Barfußtrainern nicht (bzw. nur mutwillig), da sie unmittelbar Feedback geben. Außerdem wird die gesamte Haltemuskulatur und das Fußgewölbe gestärkt, so dass der ganze Fuß aktiv als Dämpfer fungiert, wohingegen sich der Läufer mit den konventionellen Laufschuhen „nur“ in die Dämpfung seiner Schuhe „fallen“ läßt.

Barfußtrainer sparen bares Geld

Mit Barfußtrainern zu laufen hat aber auch ökonomische Vorteile: die Verschleißgrenze für normale Laufschuhe liegt, wenn man den üblichen Sprachrohren der Laufszene glauben darf, irgendwo zwischen 500 und 1500 km, je nachdem, wo gelaufen wird, wie oft der Schuh gelaufen wird und nicht zuletzt wie viel der Läufer wiegt.

Und hier liegt der Hase im Pfeffer: meines Wissens nach gibt es keine Schuhe die explizit für schwere Läufer konzipiert sind, also sowas wie ein Schuh für Normalläufer der allerdings auf den höheren Verschleiß durch die Mehrbelastung des schweren Läufers ausgelegt ist.

Dabei ist das Verschleißteil Nummer eins die Sohlenkonstruktion, und hier vor allem die Dämpfung. Lange bevor die Sohle runtergelaufen ist ist die Dämpfung durch. Und da die bei Minimalschuhen nicht vorhanden ist (die Dämpfung übernimmt der trainierte angepasste Bewegungsapparat) kann sie logischerweise nicht kaputt gehen oder sich weich laufen.

Disclaimer

Das oben Geschriebene beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und Ansichten, die bei jemand anders natürlich ganz anders sein können.

Darum ist der Artikel auch eher als Aufforderung zum Experimentieren zu verstehen und weniger als Anweisung nach dem Motto: „Mach einfach so wie ich’s dir sage, und alles wird gut“.

Jeder ist anders, darum kann es „richtig“ nur unter dem individuellen Hintergrund betrachtet geben.

Worauf es meines Erachtens ankommt ist kritisches Denken und Eigenverantwortung. Oder anders gesagt, nicht alles glauben was man liest, auch das hier, skeptisch bleiben und ausprobieren was für einen selbst funktioniert.

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