Das perfekte Low-Budget Bikepacking-Bike – Teil 4: 1×9 Antrieb

schaltung-hinten-12-36-kassette

Kommen wir zum Antrieb.

Für viele ist die Rohloff Speedhub das Nonplusultra in Punkto Wartungsarmut und Zuverlässigkeit. In seltenen Fällen kann es aber passieren, dass sie Zicken macht und dann braucht sie einen Service. Das ist in der Regel kein Problem und Rohloff hat auch eine sehr gute Servicepolitik. So hätten sie mir damals sogar eine komplette Tauschnabe nach China geschickt als ich damit Probleme hatte!

Das Problem ist nur: was machen, wenn die Visa-Uhr tickt und eine Verlängerung schwierig bis unmöglich ist? In China gibt es viele solche Gegenden, aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls hatte ich damals keine Zeit zu warten bis das Paket angekommen und durch den Zoll sein würde. Vielleicht hätte es sich auch noch weiter verzögert und wenn’s ganz dumm gelaufen wäre hätte es auch noch Einfuhrsteuern gekostet … Hmm, vielleicht bin ich da etwas zu pessimistisch, aber größere Kontrolle der Umstände bedeutet einfach weniger Stress …

Eine Kettenschaltung hat daher für mich trotz vieler Nachteile – eben auch ganz massive Vorteile.

Sie ist günstig, vergleichsweise leicht und wenn man sich nah am »Shimano-Standard« orientiert hat man auch keine größeren Ersatzteilprobleme.

Ein Meilenstein – was Kettenschaltungen angeht – war die Markteinführung von 1×11 Antrieben durch SRAM.

1×11, das ist die Reduzierung auf 1 Kettenblatt vorne mit einer voluminösen 11-fach Kassette hinten.

Durch den Wegfallen des zweiten bzw. des zweiten und dritten Kettenblattes wird der Umwerfer und dessen Schalthebel überflüssig und durch die 40/42 Zähne Grannies erreicht man eine gute bergtaugliche Untersetzung.

Zurück bleibt ein leichteres Rad mit simplifiziertem Antrieb – weniger Teilen, weniger Pflegeaufwand und weniger Dingen die kaputt gehen können.

Die Sache hat allerdings einen Haken: 1×11, egal ob SRAM oder Shimano, sind noch relativ teuer und man müsste den ganzen Antriebsstrang ersetzen: Kassette, Kette, Schaltwerk, Schalthebel und Kettenblatt. Wählt man die Shimano M8000 ist man mit rund 250 Euro dabei.

Doch keine Angst, es gibt Abhilfe, und die ist sogar recht günstig.

9-fach wird noch relativ häufig gefahren, gleichzeitig ist die Technologie aus marktwirtschaftlicher Sicht veraltet. Das macht 9-fach Teile relativ günstig.

So gibt es 9-fach Kassetten mit 12-36 Spreizung, die für deutlich unter 20 Euro zu haben sind. Natürlich kann diese Kassette nicht mit einer XT Kassette mithalten, aber das hat hauptsächlich mit dem Gewicht zu tun, schaltet gut und ist auch nicht mehr so schwer wie früher.

Einzige Bedenken bis dahin: wird das Schaltwerk mit der Kassette klar kommen?

Also: Kassette montieren, kleinstes und größtes Kettenblatt von der Kurbel abmontieren und die weiblichen Teile der Kettenblattschrauben kürzen damit sie wegen des fehlenden großen Kettenblattes nicht überstehen.

Alles montiert, auf zur Probefahrt.

Vorne ein 32er hinten 12-36. Bei den Bergen hier geht das gerade so, ich denke aber mit Gepäck wird’s knapp.

Dann macht sich ein weiteres Problem bemerkbar mit dem ich nicht gerechnet hatte: da der Umwerfer als Führung fehlt, fiel die Kette mehrmals vom Kettenblatt. Es ist zwar nichts passiert, aber auf Dauer ist es lästig.

Lösung?
Ein Narrow-Wide Kettenblatt.

Häh? Musste ich auch erst lernen: bei Narrow-Wide Kettenblättern sind die Zähne abwechselend schmal- und breit wie der Name schon vermuten läßt, entsprechend der anordnung der Kettenglieder – da kommen ja auch schmale und breite Zähne im Wechsel.

Zusammen mit prägnanter ausgeformten Zähnen ergibt sich ein besserer Eingriff von Kette und Zähnen gegenüber dem Schaltungskettenblatt – ist ja auch klar, denn das ist ja dafür optimiert, dass die Kette leicht rauf und runter geht.

Mit 40 Euro hat es doch noch mal ein größeres Loch ins Budget gerissen, aber dafür hab ich jetzt eins mit 30 Zähnen.

Die Mathe

XT 11-fach 11-40:
Abstufung: 11-13-15-17-19-21-24-27-31-35-40Z

Alivio CS-HG400-9 9-fach 12-36:
Abstufung: 12-14-16-18-21-24-28-32-36Z

XT 11-fach 11-42:
Abstufung: 11-13-15-17-19-21-24-28-32-37-42Z

Im Prinzip kann man sagen, bei der 9-fach fehlt gegenüber der 11-fach der Granny-Gang. In der Spreizung der 9 bzw. 10 Gänge gibt es zwar marginale Unterschiede, sie ist aber nahezu identisch.

Die etwas geringere Höchstgeschwindigkeit aufgrund des 12er Abschlussritzels ist zu verkraften. Auf der Ebene fährt man die Höchstgeschwindigkeit in aller Regel nicht aus, Geschwindigkeiten über 30 km/h sind selten, und wenn, dann geht es meist ohnehin bergab und man kann rollen lassen.

Abgesehen vom Granny fährt sich das Rad gefühlt insgesamt besser mit dem 30 Zähne Kettenblatt als mit dem 32er. Das 30 Zähne Blatt würde ich allen empfehlen die bergiges beackern müssen. Sollte ich in absehbarer Zeit auf 1×11 wechseln, würde ich auf jeden Fall beim 30er bleiben. Denn: lieber noch einen Gang in Reserve als 3 km/h höhere Endgeschwindigkeit die man eh so gut wie nie fährt.

Die Kette habe ich um 1 Glied (1x schmal/breit) gekürzt. Sie sollte noch ausreichend gespannt sein wenn sie auf dem kleinsten Ritzel (30/12) liegt und darf nicht zu weit gespannt sein, wenn sie auf dem größten (30/36) liegt. Ist aber über den Daumen, ich hab’s nicht ausgemessen.

Damit das Schaltwerk gut schaltet muss man die B-Schraube (die Schraube, wo an sich fragt wozu sie überhaupt da ist) relativ weit reinschrauben, auch hier muss man etwas ausprobieren.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder…

Kettenblattschrauben gekürzt / shortenende chain ring screws
Gekürzte Kettenblattschrauben für das 32T Kettenblatt der Deore Kurbel (beim 30Z Kettenblatt gehen normal lange) …
schaltung-vorne-kettenblatt
32T Kettenblatt der Deore Kurbel – Kette fällt runter …
e-thirteen Kettenblatt 30Z schmal-breit / e-thirteen Kettenblatt 30Z narrow-wide
Kettenblatt schmal-breit …
e-thriteen Kettenblatt 30Z schmal-breit montiert / e-thriteen chain ring 30T narrow-wide mounted
>Kettenblatt schmal-breit montiert …
e-thriteen-kettenblatt-30z-schmal-breit-montiert-von-oben
Kettenblatt schmal-breit von oben …

Weiter demnächst mit Teil 5 …

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