9-fach mit 10-fach Schaltwerk fahren – so geht’s!

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Warum sollte man 9-fach mit 10-fach Schaltwerk fahren wollen?

Ganz einfach: mit der Änderung von 9-fach („Hyperglide, HG“) auf 10-fach („DynaSys“) hat Shimano nicht nur der Kassette ein weiteres Ritzel hinzugefügt, sondern auch den ganzen Antrieb überarbeitet.

Nach Aussage von Shimano geschah dies um den Schaltkomfort zu verbessern – mag sein – aber bestimmt auch um neues Material zu verkaufen – denen die immer das Neueste haben müssen, und denen die mit diesen mithalten wollen (müssen).

Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund mehr als 9 Ritzel am Hinterrad fahren zu MÜSSEN, allerdings hat Shimano mit dem Upgrade auf die neue Technologie auch ein sehr wünschenswertes Upgrade auf den Markt gebracht: die Shadow Plus „Clutch“-Technologie am Schaltwerk.

Was ist die Shadow Plus „Clutch“-Technologie?

Kurz gesagt verhindert diese Technologie das Schlagen der Kette auf ruppigen Trails und führt somit zu einem deutlich ruhigeren Antriebsstrang und verhindert die Beschädigung des Rahmens und verringert die Wahrscheinlichkeit des Abspringens der Kette vom Kettenblatt.

Wer braucht die Shadow Plus „Clutch“-Technologie?

„Brauchen“ tut sie niemand, schließlich ging es vorher ja auch. Aber sie ist ein „Nice to have“ für alle die öfter mal Trails und schlechte Wege runterbrettern.

Und wo genau liegt jetzt das Problem?

Das Problem ist, dass Shimano von 9-fach zu 10-fach den Seilweg pro Schaltvorgang geändert hat, der, wo er bei 7/8/9-fach noch einigermaßen einheitlich war nun kürzer ist. Dieses „kürzer“ wird erreicht durch einen veränderten Hebelweg am Parallelogramm bzw. an der Zugbefestigung des Schaltwerks, und genau darum ist es nicht egal welches Schaltwerk man montiert obwohl die Indexierung im Schalthebel stattfindet.

Und genau darum funktioniert es auch ganz und gar nicht 9-fach Antriebe mit 9-fach Shimano-Schalthebeln mit einem 10-fach (oder sogar 11-fach?) Schaltwerk zu schalten.

Aber: Hilfe ist nah!

Lösung #1: Shiftmate 6 von Jtek

Jtek machen verschiedene Kompatibilitätsadapter die vor das Schaltwerk montiert werden und so den übertragenen Seilweg entsprechend ändern. Das ganze ist mittlerweile eine regelrechte Wissenschaft siehe hier und hier), darum hab ich, um sicher zu gehen bei Jtek angefragt und mir wurde gesagt, dass der Shiftmate 6 der richtige für ein setup mit 9-fach SHIMANO Antrieb mit 10-fach SHIMANO Schaltwerk ist.

Pro:
Einfache, Out-of-the-Box Lösung

Con:
Teurer, nicht kompatibel mit meinen ästhetischen Standards

Aber es sind ja nicht alle wie ich und vielleicht ist es für den einen oder anderen DIE Lösung. Kaufen kann man so ein Shiftmate 6 in Deutschland beispielsweise bei Bike-Components kaufen.

Lösung #2: SRAM Shifters

SRAM hat grob gesagt 2 Linien – eine die bis Shimano 9-fach kompatibel war und ein übersetzungsverhältnis von 1:2 hatte, in der regel waren das Drehgriffe die z.B. Gripshift hießen, und SRAM’s eigene Linie die X.3, X.5, X.7, X.9, X.0 usw. heißt und eine Übersetzung von 1:1 hat.

Die ebenso einfache wie einigermaßen günstige Lösung mit einem Aufwand nicht größer als einen Schaltzug wechseln ist es einen 1:1 SRAM Schalthebel mit einem 10-fach Shimano Schaltwerk zu „verheiraten“.

Pro:
Einfache, Out-of-the-Box Lösung

Con:
X.9 Trigger die qualitativ auf XT-Niveau liegen sind neu kaum mehr erhältlich und wenn dann teuer, gebraucht ebenfalls begehrt und daher teuer. Günstig zu haben (~25 Euro) sind SRAM X.5, die allerdings nicht so hochwertig sind wie die X.9, Drehgriffe sind nicht jedermanns Ding.

SRAM Shifters gibt’s beispielsweise hier:
SRAM Daumenschalter Trigger X.5, hinten, 9-fach
SRAM MTB Schalter ESP X.0 Drehgriff, Schwarz

Lösung #2.1: Basteln, die 1.

Allerdings scheint es so zu sein, dass der Weg nicht 100%ig akkurat ist wie dieser Thread zeigt. Bei der 2. Option unterfüttert man die Zugbefestigungsschraube einige mm (6,8mm?, evtl. braucht man eine dann längere Befestigungsschraube…) und verlängert soden Hebelweg.

Dabei muss es kein elegantes, CNC-gefrästes Teil sein wie man dort sieht, ein Unterlegscheibentürmchen (ggf. mit Sekundenkleber oder Schraubensicherung zusammengeklebt) wobei man in die oberste noch eine leichte Nut für den Zug einfeilt Stück oder ein von einem Röhrchen in passendem Durchmesser sollten auch funktionieren.

Lösung #3: Basteln, die 2.

Man bohrt ein Loch am Schaltwerk um den Schaltzug VOR der Befestigungsschraube hindurch zu führen und es von HINTEN an der Befestingsschraube zu klemmen.

Genau beschrieben wie, weshalb und warum ist in diesem Artikel: Hochspannung für alte 9-fach Schaltwerke: Die Geschichte vom “Kettenglück”.

Wer nicht gleich Bohren will kann’s auch erstmal mit Kabelbindern ausprobieren, siehe hier.

Je nachdem welches Schaltwerk man verwendet kann vielleicht auch Sheldon Brown’s Lösung die auf einem offiziell von shimano kommunizierten Hack basiert, funktionieren: Alternate Cable Routing.

Und was ist mit 11-fach?

Gute Frage. Da ich persönlich WENN dann gleich zu einem 11-fach Schaltwerk tendieren würde (außer mir läuft zufällig ein günstiges 10-fach über’n Weg …), es aber dafür so gut wie keine Ressourcen gibt sollte man sich mit den beiden letztgenannten Bastellösungen einer tauglichen Dauerbetriebslösung annähern können.

Ein weiteres Problem könnte die Kette sein. Eine 9-fach Kette dürfte im Zweifelsfall zu breit für in 11-fach Schaltwerk sein, ebenso eine 11-fach Kette für 9-fach Ritzel.

Hier dürften 10-fach Ketten die Lösung sein, da, so zumindest was das Schaltwerk angeht 1 Stufe schmäler oder breiter im Toleranzbereich liegt, so war es jedenfalls bisher.

Update 8.8.2017

Wie ich zufällig (wie immer …) herausgefunden habe, könnte es sein, dass ein 10-fach Schaltwerk zu fahren vielleicht überbewertet ist und der eine oder andere der mit dem Gedanken spielt es sich die Investition vielleicht sparen kann.

Hier ist Warum.

Zum einen verringert die Clutch/Dämpfung an 10-fach (und mehr) Schaltwerken zwar das übermäßige Schlagen der Kette auf ruppigen Trails, aber es eliminiert es nicht komplett.

Zum anderen kann diese erhöhte Vorspannung auch auf anderem Wege erreicht werden.

Einerseits mit der C-Guide Kettenführung von Bionicon (wem das Original zu teuer ist, es gibt günstige Klone …), andererseits kann man die Spannung der meisten Schaltwerke erhöhen indem man die Spannfeder des Schaltwerks versetzt, wie hier unter Punkt 8 zu sehen.

Dummerweise muss hier das Schaltwerk (teil-) zerlegt werden, aber dann kann man es bei der Gelegenheit gleich reinigen und fetten. 😉

Noch eine Lösung, auch wenn sie für die meisten Trigger-und Grip-Shift Verwöhnten nicht interessant sind, sind (Retro-) Friktionsschalthebel, wie es sie neu beispielsweise in der Luxusvariante Dura-Ace Lenkerendschalthebel plus Adapter von Paul gibt, oder alternativ in der deutlich günstigeren Variante beispielsweise von SunRace gibt. Sunrace macht auch hochwertigere, die SLM96 9-fach, allerdings findet man da keine präzisen Informationen ob der Friktion kann oder nicht, aber auch wenn nicht könnte er einen Versuch wert sein (siehe Rezensionen).

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