26″ vs 29″: sind große Räder schneller als kleine?

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Radfahren und Mythen gehen schon immer Hand in Hand. Ein Klassiker neben vielen anderen der immer wieder für Kontroversen sorgt ist der: sind große Räder schneller als kleine?

Und auch wie bei allen anderen Themen lautet die Antwort zumeist: kommt drauf an.

Kommt auch drauf an!

Idealerweise sollte man zwei gleiche Systeme vergleichen, also tupfengleiches Rad, einmal in 26″ einmal in 29″.

Aber auch das ist kein Garant für einen akkuraten Vergleich: gerade bei großen Fahrern lässt sich nur schwer eine identische Geometrie abbilden. Und ist die anders, wirkt sie sich im Zweifelsfall auf die Effizienz der Kraftübertragung aus.

Wesentliche Unterschiede der Laufräder

Bei identischer Ausstattung gibt es an den Laufrädern dennoch dramatische Unterschiede.

Zunächst mal der Offensichtlichste: die Radgröße. Kleinere Räder müssen sich schneller drehen um die gleiche Wegstrecke zurück zu legen, dafür sind sie leichter und haben weniger rotierende Masse, d.h. sind schneller zu beschleunigen.

Große Räder legen pro Umdrehung mehr Strecke zurück und haben einen größeren Schwungradeffekt, d.h. sie speichern mehr kinetische Energie („Moment“), und rollen besser über Unebenheiten.

Aber, ich will mich nicht zu sehr in theoretischen Details verlieren, und die Möglichkeiten, eine Studie streng anhand der wissenschaftlichen Methode zu machen habe ich ohnehin nicht.

Und, eine der wenigen Sachen, die mir aus der (Techniker-) Schule hängengeblieben sind, ist die:

Schätzen heißt vergleichen!

Darum hier meine Beobachtungen von einer kleinen Urlaubstour zwischen Ungarn und Polen die kürzlich stattgefunden hat.

Die beiden Systeme

Das 26″ Rad ist ein Specialized Myka, 3×8, 32 Speichen und 26″x2,0″ Reifen,

Das 29″ Rad ist ein Cube LTD, 1×9, 32 Speichen und 29″x2,4″ Reifen,

Beide Räder haben relativ leichte Felgen, einen Tubus Cargo Gepäckträger und der Luftdruck war jeweils entsprechend den Angaben des Herstellers auf dem Reifen optimal für die Reifengröße eingestellt, d.h. beim 26×2,0 etwas höher beim 29×2,4 etwas niedriger.

Die Systemgewichte dürften geschätzt ähnlich gewesen sein, beide mit reduziertem Gepäck, aber nicht ultraleicht, ebenfalls der Luftwiderstand – beide nur Packtaschen hinten, wobei ich allerdings nur die kleineren Frontroller hatte und und am 26er die größeren Backroller angebracht waren. Die bauen zwar etwas breiter, dafür ist die Silhouette kompakter bzw. weniger hoch.

Anyway.

Zwischen Ungarn und Polen gibt es einige geologische Verwerfungen (Niedere und Hohe Tatra), und somit auch den ein oder andere potentielle Vergleichsmöglicheit auf ruhiger Straße.

Unterm Strich war das 29er immer schneller. Bergauf natürlich weil ich fitter war, aber auch auf der Ebene war die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit höher gegenüber als ich noch 26″ fuhr.

Dramatisch war es aber bergab. Aus organisatorischen Gründen fuhr ich meist hinterher, schloss auf und überholte das 26er dabei regelmäßig, ohne dass gebremst wurde oder ich trat. Ich trat überhaupt nicht sondern ließ nur rollen und gab mir nicht mal die Mühe windschnittiger zu sein.
Das 26er hingegen wurde oft noch durch pedalieren unterstützt wohingegen das 29er gemütlich vorbeirollte – bei 1×9 lässt sich ohnehin nur bis maximal 35 km/h sinnvoll mittreten.

Für mich ist damit definitiv klar dass 29 Zoll in JEDER Hinsicht besser rollt.

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